"Das wird drei bis fünf Jahre dauern"

MEDICA.de sprach mit der Leiterin der Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg, Doktor Martina Pötschke-Langer, über den Kettenraucher Helmut Schmidt, ausländische Studien zum Rauchverbot und Bildwarnhinweise auf Zigarettenschachteln.
Foto: Rauchen verboten-Schild

Der Kampf gegen das Rauchen läuft
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MEDICA.de: Frau Pötschke-Langer, für wen lohnt es sich, mit dem Rauchen aufzuhören?

Dr. Pötschke-Langer: Ganz klar für jeden Raucher. Mit jedem Zug an der Zigarette werden Schadstoffe inhaliert, die sich im Gewebe festsetzen und unter Umständen das Erbgut schädigen. Nikotin ist aber nicht nur Gift für die Lunge, sondern auch für das Herz. Es animiert den Herzmuskel, schneller zu schlagen und wirkt verengend auf die Gefäße. Folglich muss das Herz gegen einen erhöhten Widerstand kämpfen, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Folgekrankheiten sind vor allem Herzinfarkte und Schlaganfälle.

MEDICA.de: Wie erklären Sie sich dann, dass Ärzte Altkanzler Helmut Schmidt davon abgeraten haben, das Rauchen einzustellen? Seine Ärzte sagen, die Umstellung würde zu viel Stress für den Körper bedeuten.

Dr. Pötschke-Langer: Die Meinung dieser Ärzte teile ich keinesfalls. Der Weg vom Kettenraucher zum Nichtraucher ist natürlich eine körperliche Umstellung, aber deswegen vom Aufhören abzuraten, halte ich für falsch. Jede Zigarette schadet der Gesundheit. An Helmut Schmidt kann man die Folgen des Rauchens übrigens sehr gut sehen: er hat schwere Herz-Rhythmus-Störungen, erlitt einen Herzinfarkt und hat einen Schrittmacher.

MEDICA.de: Zum Rauchverbot in Deutschland: Denken Sie, dass in einem halben Jahr in den Bundesländern mit striktem Rauchverbot weniger Herzinfarkte behandelt werden müssen als in den Ländern mit nur eingeschränktem Rauchverbot?

Dr. Pötschke-Langer: So einfach ist die Frage nicht zu beantworten. Ich möchte mich nicht auf Spekulationen einlassen, sondern lieber die Ergebnisse von Studien abwarten. Das wird drei bis fünf Jahre dauern.

MEDICA.de: Aber es gibt internationale Studien, die einen Zusammenhang von Rauchverbot und sinkender Herzinfarktrate belegen.

Dr. Pötschke-Langer: Ja, das stimmt. Aber die Qualität dieser Studien ist fraglich. In Schottland oder den USA wurde zwar festgestellt, dass die Raucherprävalenz im Zuge eines Rauchverbotes abnimmt, aber über die sinkende Herzinfarktrate sagt das wenig aus. In den Studien wurde nur eine kleine Stichprobe untersucht und das über einen Zeitraum von maximal einem Jahr. Das ist viel zu kurz, um verlässliche Ergebnisse zu präsentieren. Außerdem sagen die Studien nichts über mögliche Co-Faktoren aus. Vielleicht haben die untersuchten Personen im Zuge des Rauchverbots auch ihre Ernährung umgestellt oder weniger Alkohol getrunken.

MEDICA.de: Aber vorhin sagten Sie, dass das Herzinfarktrisiko bei Rauchern erhöht ist. Dann müsste doch bei einer niedrigeren Raucherprävalenz auch die Herzinfarktrate sinken.

Dr. Pötschke-Langer: Möglicherweise. Dass ein Rauchverbot der alleinige Auslöser für eine sinkende Herzinfarktrate sein soll, haben die bisherigen Studien aber nicht belegen können. Fakt ist, dass jede nicht gerauchte Zigarette das Blutbild verbessert und sich damit positiv auf die Gesundheit auswirkt.

MEDICA.de: In manchen Ländern gibt es neben den Rauchwarntexten auf Zigarettenschachteln auch Bilder von schwarzen Lungen oder Tumoren. Bringt das Ihrer Meinung nach etwas?

Dr. Pötschke-Langer: Auf jeden Fall. Wir vom Deutschen Krebsforschungszentrum sprechen ganz klare Empfehlungen dafür aus, denn Bilder sagen mehr als Tausend Worte. In Kanada gibt es seit 2001 bebilderte Warnhinweise in Kombination mit Textinformationen. Studien belegen, dass die Rauchprävalenz seitdem zurückgeht und die Hemmschwelle, mit dem Rauchen zu beginnen, steigt. Umfragen in Australien, den USA oder Großbritannien zeigen, dass sich Raucher durch bildgestützte Warnhinweise stärker mit den gesundheitlichen Gefahren auseinander setzen als Raucher in Ländern, in denen lediglich textgestützte Hinweise abgedruckt sind.

Simone Heimann
MEDICA.de