"Der Schwerpunkt liegt auf Funktionalität"


MEDICA.de: Herr Züger, die Grundlage der Protonentherapie ist eine äußerst komplizierte Technik mit einem großen Beschleuniger. Hat das Einfluss auf das Konzept des Zentrums genommen?

Kai Züger:Ja, denn die Protonentherapie hat eine hohe Strahlenschutzanforderung, so dass Größe und Form des Gebäudes durch die Technologie vorbestimmt ist. Daher gab es keinen großen Spielraum in der Bauarchitektur. Das gesamte Gebäude ist 55 Meter breit und es wird vier Behandlungsräume geben.
Grafik des zukünftigen Protonentherapiezentrums
Die vier zukünftigen Behandlungsräume
 
 
Das Zentrum soll ein allein stehender, eigenständiger Komplex sein, in dem die gesamte Behandlung ablaufen wird. Wie wird das Gebäude aufgeteilt sein?

Züger: Es ist alles auf zwei Ebenen verteilt. Ebenerdig befinden sich eine große Eingangshalle und ein geräumiger Warteraum. Die Behandlungsebene ist unter der Erde. Dort hat der Patient nur Zugang zu den Behandlungszimmern und zu den Räumen mit CTs und MRTs. Die bildgebenden Geräte stehen dort, weil der Patient vor der Behandlung noch mal genau untersucht wird, damit der Tumor genau lokalisiert werden kann.

Was für Geräte werden im Protonentherapiezentrum stehen?

Züger: Einmal das Herzstück, der Beschleuniger. Dann wird es drei Gantrys und einen Fixed-Beam-Raum geben. Zusätzlich zur Tumorlokalisation noch ein PET-CT, zwei CTs und zwei MRTs. Wir werden die modernste bildgebende Diagnostik in einem Zentrum vereinen.

Haben Sie besondere Innenraumausstattungen für die Behandlungszimmer vorgesehen?

Züger: Die Räume werden absolut funktional eingerichtet sein. Der Patient sieht eh nur den vorderen Teil des Raumes, die riesige Apparatur selbst kann er nicht sehen. In dem Behandlungsraum wird alles schlicht sein, der Patient kommt ja schon auf einer Transportkarre in das Behandlungszimmer, eine vorher angefertigte Moulage hält ihn in Position, so dass er die ganze Zeit nach oben guckt.

Sind besondere Effekte geplant wie Licht, Farbe, Klimatisierung, die den Aufenthalt des Patienten angenehmer gestalten?

Züger: Nein. Da unsere zukünftigen Patienten zu über 90 Prozent ambulant behandelt werden, liegt der Schwerpunkt im Therapiezentrum auf Funktionalität und ambulante Behandlung. Der Patient kommt für eine kurze Behandlung vorbei und geht dann auch wieder schnell.

Wie stellen Sie sich auf Patiententourismus ein?

Züger: Das wissen wir noch nicht genau. Es wird kein eigenes Patientenhotel geben, aber da es auch noch zwei Jahre dauert bis das Zentrum fertig ist, bleibt noch genug Zeit, um mögliche Kooperationen mit Hotels in der Umgebung einzugehen. Wir können jetzt noch nicht abschätzen, wie groß der Andrang sein wird.

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