"Die Debatte um Osteopathie hält die gesamte Branche in Bewegung"

Interview mit Ute Repschläger, Vorstand des Bundesverbands selbstständiger PhysiotherapeutInnen – IFK e.V.

18.11.2015
Foto: Ute Repschläger

Repschläger setzt sich für die Integration der Osteopathie in das Berufsbild Physiotherapeut ein; © IFK e.V.

Was wäre wenn ... es einen eigenständigen Beruf Osteopath gäbe? Diese Frage stellt Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK e.V.) in ihrem Vortrag "Manuelle Therapie und Osteopathie" auf der MEDICA PHYSIO CONFERENCE 2015. Im Interview spricht sie über die Vorteile, die diffuse rechtliche Lage und mögliche Perspektiven der beiden Therapieverfahren.

Frau Repschläger, wer soll in Deutschland osteopathische Verfahren anwenden dürfen?


Ute Repschläger: Aus Sicht vieler Experten ist es sinnvoll, die Osteopathie in die Berufsbilder Arzt und Physiotherapeut zu integrieren. Der IFK setzt sich dafür ein, dass Physiotherapeuten dazu legitimiert werden, osteopathische Behandlungen durchzuführen.

Welche Besonderheiten und Vorteile hat die Osteopathie denn?


Repschläger: Osteopathie ist beispielsweise bei von Schmerzen begleiteten Funktionsstörungen am Bewegungsapparat eine wirksame Alternative oder Ergänzung zu medikamentösen Behandlungen oder operativen Eingriffen. Sie beschäftigt sich dabei nicht mit der Behandlung des muskuloskelettalen Systems, sondern mit dem Zusammenhang dieses Systems mit der Physiologie des ganzen Körpers.

 
 
Foto: Frau behandelt andere Frau, die auf einer Liege liegt

© panthermedia.net/sylv1rob1



Wo greifen Manuelle Therapie und osthepatische Verfahren ineinander?


Repschläger: Beide Therapieverfahren gehen als "Hands on"-Methoden auf die gleichen Wurzeln zurück. Sie diagnostizieren und therapieren Dysbalancen und verfolgen das Ziel, das Bewegungssystem in Balance zu bringen. Praktische Überschneidungen zwischen Manueller Therapie und Osteopathie gibt es beispielsweise bei Techniken zur Muskelentspannung, Gelenkmobilisation oder bei Weichteilbehandlungen.

Durch die Integration osteopathischer Verfahren in die Manuelle Medizin/Therapie werden optimale Behandlungsergebnisse erzielt, bekräftigen sowohl der IFK als auch die Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin.

Was tut sich derzeit in rechtlicher Hinsicht?


Repschläger: Kürzlich hat das Oberlandesgericht Düsseldorf ein Urteil zur Osteopathie gefällt. Die Kernaussagen der Richter lauteten, dass Osteopathie eine Ausübung der Heilkunde sei und nur von Ärzten und Heilpraktikern abgegeben werden dürfe. Damit steht die Anwendung der Osteopathie für Physiotherapeuten nach wie vor nicht auf rechtssicherem Boden.

Lediglich in Hessen wurde mit der Weiterbildungs- und Prüfungsordnung Osteopathie (WPO-Osteo) die langjährige Forderung des IFK nach verbindlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen für die physiotherapeutische Weiterbildung in der Osteopathie umgesetzt. Ziel des IFK ist es, die hessische Lösung in allen Bundesländern durchzusetzen, um endlich Rechtssicherheit zu schaffen.

Für welche Zielgruppe ist Ihr Vortrag auf der MEDICA 2015 relevant und warum?


Repschläger: Der Vortrag ist nicht nur für Physiotherapeuten und Ärzte, sondern für alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen relevant. Die Debatte um Osteopathie hält derzeit die gesamte Branche in Bewegung und ist sowohl fachlich als auch politisch stark umkämpft.

Terminhinweis:

"Manuelle Therapie und Osteopathie – zwei Seiten einer Medaille. Eine berufspolitische Betrachtung"

MEDICA PHYSIO CONFERENCE
am 18. November, 13:15 Uhr im CCD Süd, Raum 3

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Foto: Natascha Mörs

© Barbara From-
mann-Czernik






Das Interview führte Natascha Mörs
MEDICA.de