"Künstlicher Patient" verbessert Lehre

Foto: Virtuelle Untersuchung des Augenhintergrunds

Ein Simulator verbessert die
Ausbildung von Augenärzten;
© Klinikum der J.W.G-Universität

Der Simulator ermöglicht Medizinstudenten und Ärzten das Training der Augenspiegelung, der so genannten binokularen indirekten Ophthalmoskopie. Die Untersuchung und Diagnose von Netzhautveränderungen kann durch die Verwendung der neu entwickelten Technik äußerst realitätsnah trainiert werden.

Bereits seit 2008 wird die Virtual-Reality-Technologie im Lehrcurriculum am Klinikum der J.W. Goethe-Universität eingesetzt. Im Augenspiegelkurs üben sich Medizinstudenten jetzt an der neuesten Maschine: Der Simulator mit dem Namen „Eyesi Ophthalmoscope“ besteht aus einer Videobrille, die auf dem Kopf getragen wird, einem Patientenmodellkopf aus Kunststoff, zwei frei beweglichen Lupen und einem PC mit Touchscreen zur Steuerung des Systems. Durch die Videobrille sieht der Benutzer des Simulators während der Augenuntersuchung die reale Szene mit seiner Hand und der Lupe.

Durch diese so genannte Augmented-Reality-Technologie wird nun die Realität für den Betrachter erweitert - statt des Kunststoff-Modellkopfs sieht der Untersuchende durch die Videobrille einen virtuellen Patientenkopf und kann durch die Lupe den dreidimensionalen Augeninnenraum genau betrachten. Mit vielen verfügbaren Krankheitsbildern erweitert die Datenbank des Trainingssystems das Lehr- und Lernspektrum in der augenheilkundlichen Ausbildung – unabhängig von Patienten oder Testpersonen.

„Der Blick in das virtuelle Auge erlaubt es, eine Vielzahl von Erkrankungen des menschlichen Körpers zu entdecken. Studierende haben sonst nie Gelegenheit, diese Veränderungen tatsächlich an einer Netzhaut zu sehen“, erklärt Professor Doktor Frank Koch, Leiter des Schwerpunktes Glaskörper- und Netzhautchirurgie an der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums der J.W. Goethe-Universität.

Zur Stellung der Diagnose können Trainierende Symptome und Krankheitsgeschichte des „künstlichen Patienten“ aus der Datenbank abrufen. Durchgeführte Untersuchungen werden auf dem System gespeichert. Anschließend wird sowohl die gestellte Diagnose, als auch die Effizienz der Untersuchung objektiv bewertet. Berücksichtigt wird dabei beispielsweise die Zeit, die für die Untersuchung benötigt wurde, die Belastung der Netzhaut durch Licht und der in der Lupe sichtbare Anteil der Netzhaut. Mit dem neuen Trainings-Simulator erlernen Studenten gleichzeitig zu diagnostizieren und den Augenspiegel richtig zu bedienen.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum und Fachbereich Medizin der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main