"Künstliches Koma" so kurz wie möglich halten

Foto: Unfallopfer

Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma
werden öfters in ein künstliches
Koma versetzt;© panthermedia.net/
tom prokop

Doktor Oliver W. Sakowitz vom Universitätsklinikum Heidelberg erläutert, dass beispielsweise die Gefahr von Infektionen bei längerer künstlicher Beatmung steige. „Wesentlich ist es, die Tiefe der Narkose mittels klinischer Untersuchungsprotokolle zu verfolgen und im gewünschten Bereich konstant zu halten. Wir unterbrechen die kontinuierliche Sedierung, sobald die kritische Phase der Drucksteigerung im Schädel der Patienten beendet ist, wecken den Patienten also auf, sodass er wieder spontan atmen kann. Damit verringern wir erstens die Gesamtzeit der Beatmung und zweitens auch die Verweildauer des Patienten auf der Intensivstation.“

Zu modernen Sedierungskonzepten gehören nach Meinung der Experten der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) bei weniger kritischen Patienten tägliche Aufwachversuche, aber auch Sedierungspausen und eine engmaschige Überwachung der Sedierungstiefe, ein Monitoring. Dazu wird ein Erfassungsbogen mit einer zehnstufigen Skala eingesetzt, mit deren Hilfe die Tiefe der Sedierung eingestuft wird. Alle acht Stunden sollten diese Daten erhoben und protokolliert werden, rät die DGNI.

Der Begriff „künstliches Koma“ sei ein wenig irreführend, erklärt Sakowitz. „Für Außenstehende kann der Eindruck entstehen, als befände sich der sedierte Patient in einem Koma.“ Der Experte betont jedoch: „Das Koma ist immer Folge einer schweren, oft lebensgefährlichen Funktionsstörung des Großhirns. Ob der Patient wieder aufwacht oder nicht, hängt von Art, Ort und Ausmaß der Hirnschädigung ab. „Oft können wir nicht gut vorhersagen, wann und bis zu welchem Grad das Bewusstsein der Patienten wieder hergestellt werden kann“, ergänzt Sakowitz. Eine Langzeitsedierung schadet dem Gehirn des erwachsenen Patienten nicht. Solange Nebenwirkungen auf andere Organe – wie beispielsweise Herz-Kreislauf-System, Leber und Lunge – vermieden werden, ist sie eine adäquate Maßnahme, um das verletzte Gehirn zu schützen und Folgeschäden zu vermeiden. Wird die Gabe der zur Narkose verwendeten Medikamente beendet, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese vom Körper wieder ausgeschieden werden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI)