Seit der Einführung der oralen Kontrazeption in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts haben Millionen von Frauen die „Pille“ eingenommen, oft über einen längeren Zeitraum und bei guter Gesundheit. Zahlreiche Studien haben untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Krebsrisiko gibt. Nach verschiedenen Hinweisen haben Frauen, die kombinierte Hormonpräparate einnehmen, tatsächlich ein erhöhtes Risiko für Mamma- und Zervixkarzinome. Dieses Risiko soll sich zehn Jahre nach Einnahmeende wieder dem Risiko der Nicht-Nutzerinnen angeglichen haben.

Britische Wissenschaftler wollten es jetzt genauer wissen. Sie analysierten Daten der „Royal College of General Practitioners' oral contraception study“, die im Jahre 1968 begonnen wurde. Damals rekrutierten 1.400 Allgemeinärzte 14 Monate lang etwa 23.000 Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen. 23.000 Frauen, die die „Pille“ ablehnten, dienten als Kontrollgruppe. Das Durchschnittsalter der Frauen lag damals bei 29 Jahren.

Seit damals haben zahlreiche Frauen und auch Studienärzte die Studie verlassen. Doch bei den Verbliebenen lassen sich interessante Zusammenhänge zwischen der Einnahme der oraler Kontrazeptiva und dem Krebsrisiko herstellen: Frauen, die jemals die „Pille“ eingenommen haben (insgesamt wurden 744.000 Frauenjahre untersucht), haben ein signifikant geringeres Risiko für Neoplasien in Darm oder Rektum, Uterus und Ovarien als Nie-Anwenderinnen (bei denen 339.000 Frauenjahre untersucht wurden). Krebserkrankungen der Zervix und des zentralen Nervensystems kommen dagegen häufiger vor. Offenbar gibt es dabei einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Je länger die Frauen die „Pille“ einnahmen, desto höher beziehungsweise niedriger ist das entsprechende Krebsrisiko.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 335, S. 651