Gesundheitskommunikation: "Primär ist bei einem Angebot immer der Informationscharakter"

Interview mit Dr. Hartmut Engels

Medizin ist keine Geheimwissenschaft mehr – Bücher und Zeitschriften, Dokumentarfilme und das Internet machen den menschlichen Körper und seine Erkrankungen für jeden verständlich. Qualität ist hier besonders wichtig, denn Fehlinformationen können Patienten in die Irre führen. Orientierung, auch für Laien, bietet der Health Media Award, der wertvolle und wirksame Informationsangebote auszeichnet.

08.05.2014

Foto: Dr. Helmut Engels, Dr. Eckart von Kirschhausen

Dr. Helmut Engels (links) übergibt den Health:Angel an Dr. Eckart von Hirschhausen, einen der Gewinner des Awards 2008; © Health Media Award/ Klaus Voit

Der Award wird seit 2008 jährlich durch eine Grand Jury aus Gesundheitsexperten vergeben. MEDICA.de sprach mit Jury-Präsident Dr. Helmut Engels über Themen, Abläufe und die Zukunft des Awards, der am 27. Juni im Kameha Grand Hotel Bonn verliehen wird. Beiträge können noch bis zum 20. Mai eingereicht werden.

Herr Dr. Engels, was war der ursprüngliche Anlass zur Verleihung des Health Media Awards? Woher kommt die Idee?

Helmut Engels: Die Idee stammt ursprünglich vom Bonner Unternehmer Markus Berger. Er organisierte von 2007 bis 2011 das trendforum gesundheit (tg). Im Rahmen der dort präsentierten Projekte wurde 2008 erstmals eine Plattform zu ihrer Bewertung ausgelobt. Daraus entstand der erste Health Media Award. Unter den vielfältigen Informationsmöglichkeiten, die in der deutschsprachigen Gesundheitskommunikation existieren, sollten so die guten Angebote von den schlechteren getrennt werden. Schließlich wurde das Veranstaltungsformat trendforum gesundheit (tg) vollständig durch die Verleihung des Health:Angels abgelöst.

Die Sonderkategorien des Awards sind 2014 Demenz und Kommunikation, Dentalmedizin und Zahngesundheit sowie Pflege. Warum haben Sie gerade diese Themen ausgewählt?

Engels: Die Themenauswahl richtet sich immer danach, was wichtige Trendthemen für die Öffentlichkeit sind, die zurzeit beispielsweise in der Presse stark diskutiert werden. Bei Demenz ist es beispielsweise so, dass die Erkrankung jeden angeht, da wir immer älter werden und jeder sie prinzipiell bekommen kann. In letzter Zeit wurden Studien veröffentlicht, nach denen sich die Zahl der Demenz-Patienten in den nächsten 15-20 Jahren stark erhöhen wird. Deshalb haben wir hier geprüft, was es für Informationsangebote auf dem Markt gibt, und die Sonderkategorie zur Förderung des Gebiets ausgelobt.

Im Dentalbereich wiederum beobachten wir eine Art Generationenwechsel. Hier übernehmen derzeit viele junge Ärzte bestehende Praxen und arbeiten verstärkt an ihrer Kommunikation, vor allem über Webseiten und Social-Media-Kanäle. Dieser Entwicklung wollen wir Rechnung tragen.

Der Award findet mittlerweile auch international Anklang. Zur Preisverleihung haben wir eine Videobotschaft des EU-Gesundheitskommissars Tonio Borg erhalten, in der er die Bedeutung des Awards und guter Gesundheitskommunikation unterstreicht.
Foto: Laptop und Stethoskop

Auf dem Health Media Award werden Angebote aus der Gesundheitskommunika-
tion ausgezeichnet; © panthermedia.net/serezniy

Warum ist gute Gesundheitskommunikation wichtig?

Engels: Das Internet macht Patienten heute sozusagen zu „Hobbyärzten“. Wer vom Arzt eine Diagnose erhält oder wem nur ein Verdacht mitgeteilt wird, sucht im Internet nach weiteren Informationen. So eignen Patienten sich mitunter ein Pseudowissen an, das Ängste und Sorgen verursacht oder sie teilweise fehlgeleitete Positionen einnehmen lässt. Deshalb prüfen wir, welche Angebote eine profunde Aufklärung liefern: Wo sind Informationen etwa über ärztliche Fachgesellschaften zugänglich oder wo bieten Firmen, die auf diesem Feld tätig sind, gute Informationen? Wenn Patienten sich über das Internet aufklären wollen, dann muss das sowohl sach- als auch fachgerecht passieren.

Die Abläufe des Awards sind sehr transparent gestaltet worden. Warum?

Engels: Wir wollen transparent zeigen, was genau präsentiert wurde und wie die Bewertungen aussehen, und so möglichen Vorwürfen von Absprachen vorbeugen. Die Jury-Sitzung findet öffentlich in den Konferenzräumen der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Osborne Clarke in Köln statt, jeder darf als Zuschauer dabei sein, sich aber nicht an der Jury-Diskussion beteiligen. Es könnte das Ergebnis verzerren, wenn sich im Publikum Interessensvertreter von Wettbewerbsteilnehmern befinden. In diesem Zusammenhang möchte ich im Namen des gesamten Festivalteams Stefan Rizor, Managing Partner der Kanzlei, für seine jahrelange juristische Unterstützung danken.

Als Präsident der Grand Jury setze ich mich auch dafür ein, dass besondere Leistungen im Bereich der Gesundheitskommunikation entweder mit einem Sparten-Award oder durch einen „Ehren-Oscar“ prämiert werden. Damit ermöglichen wir auch Bewerbern den Zugang zum Wettbewerb, die nicht die nötigen Mittel zur Bewerbung haben, etwa gemeinnützige Organisationen.
Foto: Logo des Health Media Award

© Health Media Award

Was ist für Sie eine gute Idee in der Gesundheitskommunikation?

Engels: Das kommt immer auf den Bereich an. Bei einem komplexen Thema wie Krebs kann der Patient nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden. Man muss ihn langsam an den Kern der Sache heranführen, damit er das Thema auch als Laie verstehen kann. Da kann man sehr unterschiedliche Wege gehen. Primär ist bei einem Angebot immer der Informationscharakter. Die Präsentation fällt zwar auch auf, ist aber nicht so wichtig.

Wie könnte der Award weiterentwickelt werden?

Engels: Ganz einfach gesagt kommt es von Jahr zu Jahr auf den gesellschaftlichen Bedarf an. Bei der Sonderkategorie Demenz ist uns der Bedarf ja aufgefallen. Demenz ist eine Erkrankung, die allmählich einsetzt. Und Menschen, die darüber gut informiert sind, sind besser vorbereitet und können besser damit umgehen. Das wiederum heißt, dass wir auch früher Maßnahmen ergreifen können, um Demenz vorzubeugen und abzumildern.

Für den Award 2015 planen wir eine Internationalisierung. Für die internationale Präsentation und Vermarktung wurde im letzten Jahr die Firma Health Media Award International Ltd. gegründet. Deutschland, Österreich und die Schweiz waren bisher mit Beiträgen stark vertreten, aber wir wollen jetzt auch andere Länder erreichen. Dazu gehört auch, dass wir unsere eigenen Kanäle weiter ausbauen und die Abläufe im Award grenzüberschreitend standardisieren. Schließlich prüfen wir, wie der Award in anderen Ländern umgesetzt werden könnte, beispielsweise durch ein Franchise-Konzept.

Foto: Timo Roth; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview wurde geführt von Timo Roth.
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