"Treue" verhindert Karrieremöglichkeiten

Das ist das zentrale Ergebnis der Masterarbeit von Monika Küpper am Institut für Arbeitswissenschaft (IAW) der Ruhr- Universität Bochum. Für ihre Untersuchung befragte Küpper qualifizierte Fach- und Führungskräfte - so genannte Wissensarbeiter - in einem familiengeführten Industrieunternehmen, dessen Organisation und Struktur sich in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem durch Arbeitsplatzabbau tiefgreifend verändert haben.

Damit einhergehen müsste eigentlich ein Wandel des psychologischen Vertrags zwischen Mitarbeitern und Unternehmen: von der langfristigen Bindung zur kurzfristigen Beschäftigung, vom "Normalarbeitnehmer" zum flexiblen "Arbeitskraftunternehmer", der einem Unternehmen seine Arbeitskraft für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellt. Das Schlüsselwort für diesen veränderten psychologischen Vertrag ist die "Employability", die Beschäftigungsfähigkeit.

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Treue zum Arbeitgeber in der Gruppe der Wissensarbeiter sehr stark ausgeprägt ist. "Employability ist in der Tat ein Fremdwort für die Mehrzahl der Befragten", so Monika Küpper. Die Kehrseite der Medaille: Wissensarbeiter ohne Führungsaufgabe sehen zum Beispiel keine Notwendigkeit, sich weiterqualifizieren zu müssen. Sie erledigen ihre Arbeit unbehelligt von Vorgesetzteneingriffen überwiegend selbstgesteuert. Verlieren diese Angestellten ihren Job, wird es für sie umso schwerer, sich wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

Dabei ist die Verbundenheit, auch Commitment genannt, mit dem Unternehmen weder bei älteren noch bei jüngeren Arbeitnehmern affektiv: Bei älteren Fach- und Führungskräften hat sie sich im Laufe der langen Betriebszugehörigkeit in ein "kalkulatives Commitment mit emotionalen Zügen gewandelt", so Küpper. "Der Mangel an Alternativen wird ergänzt durch eine dankbare Verbundenheit."

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum