"Venusberg" verringert körperliche Leistungsfähigkeit

Foto: Blutzellen

Hämoglobin ist für die rote Farbe
des Blutes verantwortlich, bindet
den Sauerstoff und verteilt ihn
für die Zellatmung im Körper;
© panthermedia.net/James Steidl

„Blut ist ein ganz besonderer Saft“, sagte bereits Mephisto im „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe. Eine wichtige Rolle in dem „Lebenssaft“ spielt das Hämoglobin. Das eisenhaltige Protein ist für die rote Farbe des Blutes verantwortlich, bindet den Sauerstoff und verteilt ihn für die Zellatmung im Körper. „Es gibt nicht nur einen Hämoglobintyp, sondern ganz verschiedene Varianten“, sagt Doktor Berndt Zur vom Universitätsklinikum Bonn. Bereits im Jahr 2008 hatte der Wissenschaftler eine Hämoglobin-Variante gefunden, die mit den üblichen Messungen fälschlicherweise einen Sauerstoffmangel bei den Patienten anzeigt. Er taufte sie „Hämoglobin Bonn“.

Jetzt fanden die Wissenschaftler das „Hämoglobin Venusberg“, das ebenfalls nach dem Ort seiner Entdeckung benannt ist. Diese Hämoglobin-Anomalie war bislang unbekannt. Ein Internist aus Bayern hatte sich an die Forscher des Bonner Universitätsklinikums gewandt. Er betreute zwei eng miteinander verwandte Patienten mit einer sehr niedrigen Sauerstoffsättigung im Blut, deren Ursache nicht festzustellen war. Der Arzt hatte über das „Hämoglobin Bonn“ gelesen und vermutete, dass es sich bei seinen Patienten um Träger dieser Variante handeln könnte. Er schickte deshalb eine Blutprobe zur Untersuchung an das Bonner Institut.

Durch verschiedene Analyseverfahren entdeckte Zur aber, dass nicht das besagte „Hämoglobin Bonn“ vorlag, sondern eine neue Hämoglobin-Variante. Bei genauerer medizinischer Nachforschung zusammen mit Professor Birgit Stoffel-Wagner und Professor Michael Ludwig stellte sich heraus, dass das „Hämoglobin Venusberg“ zu Krankheitssyndromen führt. „Im Gegensatz zu ‚Hämoglobin Bonn’ haben die Patienten tatsächlich niedrige Sauerstoffsättigungswerte, die sogar zu einer zeitweiligen Blauverfärbung der Lippen und einer eingeschränkten körperlichen Leistungsfähigkeit führen“, berichtet Zur. „Zudem sind die Ergebnisse des Laborwertes für HbA1c, einem Marker für den Diabetes mellitus, falsch hoch.“ Das könne zur Folge haben, dass irrtümlich bei Patienten mit „Hämoglobin Venusberg“ ein Diabetes mellitus diagnostiziert wird.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn