"Andere Länder, wie beispielsweise Schweden, haben deutlich bessere Voraussetzungen geschaffen, um Ältere zu beschäftigen. Die Erhöhung des Renteneinstiegsalters muss von einer breiten Palette an flankierenden Maßnahmen unterstützt werden - und da steckt Deutschland noch sehr in den Anfängen", sagt der Frankfurter Sozialexperte Prof. Dr. Diether Döring.

Um leistungs- und konkurrenzfähig bleiben zu können, spielt die Weiterbildung der älteren Arbeitnehmer eine entscheidende Rolle. "Hier weist Deutschland ein gravierendes Defizit auf, Konzepte für lebenslanges Lernen sind wenig verbreitet", erläutert die Wirtschaftswissenschaftlerin Lioba Trabert, die gemeinsam mit Döring im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung den Zusammenhang zwischen Rentenalter und Jugendarbeitslosigkeit erforscht hat.

"Während in Schweden rund 30 Prozent der 55- bis 64-Jährigen an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, sind es in Deutschland lediglich rund drei Prozent. In Finnland wurden bereits Bildungskonzepte auf breiter Basis entwickelt, die speziell auf die Lernfähigkeiten und Lernbedürfnisse Älterer abgestimmt sind", sagt sie.

Zwar wird das reguläre Renteneintrittsalter in den kommenden Jahren auf 67 angehoben, zurzeit liegt aber der faktische Ausstieg aus dem Erwerbsleben bei durchschnittlich 61,3 Jahren. Berücksichtigt man, dass der Anteil der 55-Jährigen und Älteren an der Bevölkerung rund 31 Prozent beträgt, an den Erwerbstätigen hingegen lediglich etwa 12 Prozent, bestehen zumindest rechnerisch noch große Potenziale, um die Beschäftigung von Älteren zu steigern.

Im Vergleich der OECD-Staaten nimmt die Bundesrepublik nur einen mittelmäßigen Platz ein: In Island sind 85 Prozent der Älteren zwischen 55 und 64 Jahren erwerbstätig; in Neuseeland, Schweden, Norwegen und der Schweiz erreichen die entsprechenden Erwerbstätigenquoten immerhin 65 bis 70 Prozent. Deutschland liegt mit einer Quote von 46 Prozent knapp oberhalb des Durchschnitts der 15 EU-Staaten (45 Prozent).

MEDICA.de; Quelle: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt