Das überraschende Ergebnis: Die Erfolge wurden weniger durch eine rigorose Einschränkung der Frühverrentung erreicht. Vielmehr hätten zahlreiche andere Faktoren wie die demographische Entwicklung oder eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen die Trendwende unterstützt. Entscheidend sei zudem der wirtschaftliche Aufschwung in diesen Ländern gewesen. Er ging der Trendwende bei der Beschäftigung von Älteren voraus oder begleitete sie zumindest.

Die Autoren der Studie sehen durchaus Chancen, dass sich auch in Deutschland die Beschäftigungssituation Älterer verbessern könne. Die Wirkungen der bereits beschlossenen Reformen, die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit und die demographische Entwicklung werden ihrer Einschätzung nach die Beschäftigungsquote Älterer in den nächsten Jahren erhöhen. Derzeit habe Deutschland eine untypisch "inverse" Altersstruktur: Die Bevölkerungsgruppe der 60- bis 64-Jährigen ist größer als die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen. Da die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen generell niedriger ist als die der 50- bis 59-Jährigen, wirkt sich dies in Deutschland negativ auf die Erwerbsbeteiligung der Älteren insgesamt aus. Diese demographische Besonderheit wird aber in den nächsten Jahren ihre Bedeutung für die Beschäftigungssituation Älterer verlieren.

Die bisher in Deutschland unternommenen Reformanstrengungen sind der Studie zufolge als durchaus beachtlich zu bewerten, beispielsweise die Verkürzung des Arbeitslosengeld-Anspruchs für Ältere auf maximal 18 Monate. Nachholbedarf bestehe allerdings bei der Förderung der Beschäftigungsfähigkeit Älterer. Die IAB-Studie verweist auf Finnland: Seit Mitte der 90er Jahre wurden dort zahlreiche staatliche und betriebliche Maßnahmen für Ältere im Bereich der Arbeitsorganisation, Gesundheitsvorsorge und Qualifizierung umgesetzt.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)