Ärzte: Je mehr Ratings, desto besser

18.05.2015
Grafik: 3D-Männchen, Sprechblasen mit Rating-Sternen

Ratings mit 1-5 Sternen sind vor allem durch Verkaufsplattformen bekannt geworden. Aber auch Ärzte werden durch ihre Patienten als "Kunden" immer öfter bewertet; ©panthermedia.net/ 3dkombinat

Es sind nicht mehr nur Hotels und Konsumgüter, die online bewertet werden: Auch Ärztebewertungsplattformen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In einer Studie an der Alpen-Adria-Universität wurde nun erforscht, wie sich bestimmte Eigenschaften von Bewertungen auf die Wahrnehmung der Ärzte durch die Patienten auswirken.

Bisherige Untersuchungen der Abteilung für Marketing und Internationales Management haben bereits gezeigt, dass Ärztebewertungsplattformen gut bekannt und gut genutzt sind: 29,3 Prozent kennen Arztbewertungsportale; 26,1 Prozent haben ein solches bereits genutzt. Der Vergleich zu anderen Studien zeigt, dass die Nutzerzahlen von Arztbewertungsportalen stetig zunehmen.

Sonja Grabner-Kräuter hat nun gemeinsam mit Martin Waiguny untersucht, wie die Nutzer mit den Informationen auf diesen Portalen umgehen und wie die Online-Bewertungen ihre Einstellung zum bewerteten Arzt beeinflussen. Grabner-Kräuter und Waiguny haben dazu einen webbasierten Fragebogen zu fiktiven Ärztebewertungen ausgewertet, der von 168 Teilnehmern beantwortet wurde.

Die Ergebnisse zeigen, dass grundsätzlich sowohl die Zahl der Bewertungen als auch ihr Stil (sachlich oder emotional) Auswirkungen auf die Wahrnehmung durch die Nutzer haben. "Wir konnten zeigen, dass Ärzte positiver gesehen werden, je mehr Bewertungen vorliegen", erklärt Grabner-Kräuter. Außerdem beobachtete das Forschungsteam Interaktionseffekte mit dem Stil der Bewertungen: Wenn der Arzt insgesamt nur wenige Bewertungen bekommen hat, führten faktenorientierte Bewertungen eher zu einer positiveren Einstellung gegenüber dem Arzt als emotional geprägte Bewertungen. Wenn aber bereits viele Bewertungen vorliegen, ist dieser Effekt nicht mehr beobachtbar. Bei einer hohen Zahl von Bewertungen zeigte sich kein Unterschied in der Glaubwürdigkeit von sachlichen und emotionalen Bewertungen, während bei einer niedrigen Anzahl vorliegender Bewertungen wiederum eine faktenorientierte, sachliche Bewertung als glaubwürdiger beurteilt wurde als eine emotional geschriebene.

Die präsentierten Ergebnisse scheinen sich, so Grabner-Kräuter, weitgehend mit den Forschungen zu Bewertungsportalen für Tourismus-Dienstleistungen zu decken. Für das Forschungsteam gilt es, das Verständnis darüber, welche Rolle Online-Bewertungen für die Auswahl von Ärzten spielen können, weiter zu verbessern.

MEDICA.de; Quelle: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Mehr über die AAU unter: www.uni-klu.ac.at