Überfunktion erhöht Sterberisiko

Wie die Daten zeigen, erhöht schon eine unterschwellige, oft nur im Blut erkennbare Schilddrüsen-Überfunktion das Risiko für tödliche Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) bekräftigt deshalb ihre Empfehlung, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln.

Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone maßgeblich viele wichtige Stoffwechselvorgänge des Körpers. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet unter einer Überfunktion dieser schmetterlingsförmigen Drüse unterhalb des Kehlkopfes. Bei jüngeren Menschen ist die Ursache häufig eine Autoimmunerkrankung:

„Bei der Basedow-Krankheit treiben bestimmte Antikörper die Produktion von Schilddrüsenhormonen an und der Patient entwickelt Symptome wie Zittern, Unruhe, Schweißausbrüche und Gewichtsverlust“, erläutert Professor Helmut Schatz von DGE. Bei älteren Menschen sind meistens sogenannte heiße Knoten in der Schilddrüse für die Überfunktion verantwortlich. „In beiden Fällen entzieht sich die Schilddrüse der Kontrolle durch die Hirnanhangdrüse“, führt er aus. Normalerweise reguliert die Hirnanhangdrüse durch die Freisetzung des Hormons Thyreotropin (TSH) die Bildung des Schilddrüsenhormons. Bei einer Überfunktion nimmt zuerst der TSH-Wert im Blut ab, dann wird er durch die vermehrt gebildeten Schilddrüsenhormone völlig unterdrückt.

Die Schilddrüsenhormone selbst sind im Anfangsstadium noch nicht erhöht. „Ein erniedrigter TSH-Wert ist aber schon ein wichtiger Hinweis auf eine beginnende, eine subklinische Hyperthyreose“, erklärt Schatz. Da die Patienten sich gesund fühlen, würden viele Ärzte auf eine Behandlung verzichten, wenn diese leichte Überfunktion zufällig bei einer Laboruntersuchung festgestellt wird.

Eine neue, große Analyse von zehn Studien mit mehr als 50 000 Teilnehmern unterstützt jetzt diese Empfehlung. Die Thyroid Studies Collaboration, eine internationale Forschergruppe, fand heraus, dass Patienten mit einer subklinischen Hyperthyreose eine um 24 Prozent erhöhte Gesamtsterblichkeit haben. Bei ihnen war die Rate von Herzinfarkten und deren Vorstufen um 20 Prozent erhöht. Sogar um fast 70 Prozent höher lag die Rate der Patienten mit Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung. „Beim Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel im linken Vorhof des Herzens bilden“, warnt Schatz. „Wenn sie ins Gehirn geschwemmt werden, können sie einen tödlichen Schlaganfall auslösen.“

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)