Übergang ambulant-stationär verbessern

Foto: Arzt mit Patient

Das Entlassmanagement beim Übergang von
stationärer zu ambulanter Versorgung muss ver-
bessert werden; © panthermedia.net/Phovoi R.

Das verdeutlichten die Experten der diesjährigen MedInform-Homecare-Konferenz "Versorgungsmanagement 2013 – Wer übernimmt zukünftig welche Aufgaben?". MedInform ist der Informations- und Seminarservice des BVMed. Ein solcher "Kümmerer" für das ganzheitliche Versorgungsmanagement der Patienten können Unternehmen sein, die Leistungen rund um eine komplexe Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln und/oder Verbandmitteln zu Hause und in Pflegeheimen anbieten.

Hintergrund der Konferenz waren die Vorgaben des Versorgungsstrukturgesetzes, nach denen der Patient einen Anspruch auf ein Entlassmanagement als Teil seiner Krankenhausbehandlung hat. Pflegeexpertin Irene Hößl stellte fest, dass Krankenhäuser verstärkt seit dem Jahr 2002 Vorkehrungen für ein Entlassmanagement treffen. In der Praxis gebe es aber erheblichen Verbesserungsbedarf. So sei es wichtig, bereits bei der Aufnahme die Patienten zu identifizieren, die nach der Entlassung einen Versorgungsbedarf haben. Der Pflegebereich sei dabei gut aufgestellt. Es gebe bereits heute hoch qualifizierte und spezialisierte Pflegekräfte wie Wundmanager und Stomatherapeuten, die sowohl im stationären wie ambulanten Bereich beispielsweise für Homecare-Unternehmen Versorgungsmanagement betreiben.

Medizinrechtler Doktor Michael A. Ossege beleuchtete die Vorgaben des Gesetzgebers im Versorgungs- und Entlassmanagement. Seit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes Anfang 2012 hat der Patient einen unmittelbaren Anspruch aus dem Sozialgesetzbuch auf ein Entlassmanagement als Teil seiner Krankenhausbehandlung. Damit liegt die Verantwortung für die Organisation eines strukturierten Übergangs vom stationären in den ambulanten Bereich beim Krankenhaus. Ziel des Entlassmanagements ist es, die Kontinuität der Versorgung zu gewährleisten, die Kommunikation zwischen den beteiligten ambulanten oder stationären Versorgungsbereichen zu verbessern, die Entlastung von Patienten und ihren Angehörigen zu ermöglichen sowie zu einer möglichen Vermeidung des "Drehtüreffektes" beizutragen, so heißt es laut Ossege in der Gesetzesbegründung.

Doktor Thomas Lipp, Allgemein- und Ernährungsmediziner aus Leipzig, ging auf die ethischen Probleme im Umgang mit künstlich ernährten Patienten ein. Künstliche Ernährung sei dort wichtig, wo man Patienten helfen und Prognosen verbessern könne. Heute sei der Tod bei 80 Prozent der Patienten im Krankenhaus kein natürliches Sterben, sondern eine technische Entscheidung. "In der Intensivmedizin gibt es keinen natürlichen Tod, es sei denn, er wird beschlossen." Entscheidend sei der Patientenwille. Deshalb sei eine frühzeitige Patientenverfügung so wichtig. Die Eigenverantwortung der Patienten und die Verantwortung der Familie dürfe nicht zu kurz kommen.

Einen konkreten interdisziplinären Ansatz für ein professionelles Überleitmanagement stellte Regine Harms vom Versorgungsnetz Gesundheit in Oldenburg vor. Ziel der Vereinsgründung im Jahr 2002 war die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Region Oldenburg. Zu den Mitgliedern gehören Krankenhäuser, Ärzte, Krankenkassen, Heime und Pflegedienste, Wissenschaftseinrichtungen, Apotheken oder Unternehmen. Von 2002 bis 2004 wurde in Trägerschaft der drei regionalen Akutkrankenhäuser ein Überleitungsprojekt durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in den Krankenhäusern als "Standard Entlassungsmanagement" verabschiedet. Pflegedienste, Heime und Hausarztpraxen erhielten entsprechende Leitsätze.

MEDICA.de; Quelle: BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V.