Übergewicht und Diabetes entstehen im Gehirn

Foto: Blutzuckermessgerät

Diabetiker benötigen zur Regulierung
des Insulinspiegels ein Blutzucker-
messgerät; © Hemera

Forscher um Professor Achim Peters von der Universität Lübeck sprechen vom "Selfish Brain", dem eigennützigen Gehirn. Die Selfish-Brain-Hypothese hat den Ansatz, dass der Blutzucker Glukose die wesentliche Energiequelle des Gehirns ist. Der Blutzuckerspiegel steigt und es steht mehr Energie für das Gehirn zur Verfügung. Gehen die Zuckervorräte des Körpers zur Neige, löst das Gehirn Hungersignale aus. Das Gehirn sendet jedoch nicht nur Befehle aus, um Energie zu beschaffen. Es kontrolliert auch, was angekommen ist: Ist in den Nervenzellen des Gehirns ausreichend Energie vorhanden, fordert es keine weitere an.

Diese Abläufe können gestört sein. Peters nennt drei Fehlermöglichkeiten: Hardware-Fehler, Software-Fehler sowie Falsch- Signale. Hardware-Fehler sind strukturelle Defekte wie Gendefekte oder Hirnturmore. Software-Fehler können durch Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Probleme, Drogen oder Ablenkung durch Fernsehen und Computerspiele ausgelöst werden. Falsch-Signale sind chemische oder mikrobielle Botschaften, die das Gehirn täuschen. Dazu gehören zum Beispiel Umweltschadstoffe, Medikamente oder Viren.

Alle diese Faktoren können dem Körper irrtümlicherweise mitteilen, dass er Zucker für das Gehirn sparen muss, obwohl in Wirklichkeit mehr als genug vorhanden ist. Die Folgen sind Anstieg des Körpergewichts, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck - das was Diabetesexperten als Metabolisches Syndrom bezeichnen, die Vorstufe zum Typ-2-Diabetes mellitus.

Durch das steigende Körpergewicht droht dem Gehirn, der Brennstoff auszugehen, weil das Fettgewebe mit dem Gehirn um Glukose konkurriert. Das Fettgewebe will es speichern, das Gehirn braucht es zum Überleben. Deshalb hemmt es die Insulinbildung und sorgt dafür, dass die Glukose nicht in die Muskelzellen gelangt. Der Blutzucker steigt auf Dauer an. Experimentelle Belege untermauern die Selfish-Brain- Hypothese inzwischen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft