Bild: Ein Gehirn 
Wenn dem schwellenden Hirn
Platz geschaffen wird, steigt die
Überlebenschance; © Hemera

Patienten, die einen großen Schlaganfall erlitten haben, profitieren von einer halbseitigen Entfernung der Schädeldecke in den ersten 48 Stunden nach dem Infarkt, die das Gehirn entlastet. Die Überlebenschancen der operierten Patienten werden fast verdreifacht. Nur wenige Patienten tragen schwerwiegende Behinderungen davon.

"Erstmals ist damit wissenschaftlich belegt, dass die so genannte Hemikranektomie Leben retten und vor schweren Behinderungen bewahren kann", erklärt Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

Patienten mit sehr großen Schlaganfällen haben eine sehr schlechte Prognose. Der Verschluss einer Hauptversorgungsadern, der mittleren Hirnarterie, führt bei nahezu 80 Prozent der Patienten zum Tode - trotz intensivmedizinischer Behandlung. Das abgestorbene Hirngewebe und seine Umgebung schwellen durch die Einlagerung von Wasser (Hirnödem) an und der Hirndruck steigt massiv.

Seit Jahren wird in einigen Zentren die "dekompressive Hemikraniektomie", durchgeführt, die dem geschwollenen Hirngewebe in der kritischen Phase Raum verschafft. Nach Rückgang der Hirnschwellung wird der Knochen wieder eingesetzt. Die Operation ist relativ einfach, allerdings ist der Eingriff umstritten. Kritiker verweisen auf mögliche bleibende, schwere Behinderungen, vor allem wenn die dominante Gehirnhälfte betroffen ist, in der das Sprachvermögen lokalisiert ist.

Drei Studien mit 95 Patienten, die die Hemikraniektomie mit einer maximalen intensivmedizinischen Behandlung verglichen haben, zeigen einen hochsignifikanten Effekt der Überlebensrate zugunsten der Hemikraniektomie (78 Prozent) gegenüber 29 Prozent nach intensivmedizinischer Behandlung. Die Zahl der schwerst behinderten Patienten ist gering; lediglich 4 Prozent sind nach Hemikraniektomie bettlägerig und dauerhaft pflegebedürftig, in der intensivmedizinischen Behandlungsgruppe sind es 5 Prozent.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg