Überlebensstrategie des Tuberkuloseerregers

Bild: Mycobacterium tuberculosis

Forscher haben entdeckt wie sich das
Mycobacterium tuberculosis vor der
Immunabwehr schützt; © PHIL

Der Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, sich innerhalb von Makrophagen, zu verstecken, ohne vernichtet zu werden. Normalerweise werden Bakterien im Inneren der Makrophagen von so genannten Phagosomen aufgenommen und an Lysosome weitergereicht, die die Erreger verdauen. M. tuberculosis hat indes eine sehr effektive Strategie entwickelt, um gegen diese Immunabwehr zu bestehen. Es verhindert seine Auslieferung an die Lysosome und überlebt in den einigermaßen komfortablen Phagosomen.

Bereits 1999 hatten die Forscher von der Universität Basel ein Protein namens TACO identifiziert (heute als coronin 1 bezeichnet), von dem sie vermuteten, dass es die Auslieferung der Krankheitserreger an die Lysosomen verhindert. Nun wollten sie nachweisen, dass TACO/coronin 1 der entscheidende Faktor für das Überleben von M. tuberculosis ist.

Die Forscher entwickelten ein Mausmodell ohne das coronin 1-Protein und konnten damit nachweisen, dass wenn coronin 1 fehlt, M. tuberculosis keine Chance hat. Die Bakterien werden unverzüglich zu den Lysosomen transportiert und zerstört. Doch damit war noch nicht erklärt, wie die Anwesenheit von coronin 1 den Abbau von M. tuberculosis blockiert.

Die Forscher fügten bei der Infektion der Zellen mit den Mykobakterien die beiden Substanzen Cyclosporin A und FK506 (Tacrolimus) hinzu. Diese zwei Wirkstoffe sind gebräuchlich, um das Signalmolekül Calcineurin zu blockieren. Der Zusatz der Calcineurinhemmer imitierte die Beseitigung von coronin 1 perfekt. Das wies darauf hin, dass coronin 1 das Signalmolekül Calcineurin aktiviert, um den Transport der Erreger zu den Lysosomen zu unterbinden.

Während Tuberkelbakterien bei unbehandelten Mäusen fern der Lysosomen verharrten, wurden sie bei den Tieren, die Calcineurinhemmer erhalten hatten, unverzüglich an die Lysosomen weitergereicht. Damit war der Nachweis erbracht, dass sich M. tuberculosis den Signalweg von Calcineurin für sein Überleben im Zellinnern zunutze macht.

MEDICA.de; Quelle: Universität Basel