Überraschung für Schlaganfall-Forscher

Foto: Gewebe von Mäusen

Mäuse ohne T-Zellen entwickeln
kleinere Schlaganfälle als normale
Mäuse; © Christoph Kleinschnitz

Verstopft werden die Blutgefäße in der Regel von verklumptem Blut. Diese Pfropfen aufzulösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen, ist bei der Behandlung und Vorbeugung von Schlaganfällen oberstes Ziel.

Die Suche nach neuen, besseren Therapien setzt also dort an, wo die Ursache der Erkrankung liegt: bei der Blutgerinnung, die zur Bildung der Pfropfen führt. Umso erstaunter waren die Wissenschaftler, als sie an anderer Stelle fündig wurden - auch die T-Zellen des Immunsystems spielen beim Schlaganfall eine Rolle. Eigentlich sind diese Zellen für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig.

Mäuse, denen wegen eines genetischen Defekts T-Zellen fehlen, bekommen kleinere Schlaganfälle als normale Artgenossen. Außerdem entwickeln sie nach dem Schlaganfall weniger neurologische Ausfallerscheinungen wie zum Beispiel Lähmungen. T-Zellen haben also einen negativen Effekt auf den Verlauf von Schlaganfällen. Das haben die Arbeitsgruppen von Guido Stoll, Christoph Kleinschnitz und Heinz Wiendl von der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg zusammen mit Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow- Zentrum für experimentelle Biomedizin nachgewiesen.

"Dass T-Zellen bei akuten Schlaganfällen eine derart schädigende Wirkung ausüben, kam für uns völlig überraschend", berichtet Kleinschnitz. Die Schadwirkung gehe auf zwei Untergruppen der Immunzellen zurück, auf die so genannten CD4- und CD8-positiven T-Helferzellen. Weitere Forschungen sollen nun klären, wie die T-Zellen ihre schädigende Wirkung ausüben.

Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeiten die Schlaganfall- Therapie beim Menschen verbessern helfen. Falls die Befunde auf den Menschen übertragbar sind, könnten sich neue Ansätze durch eine gezielte Beeinflussung der T-Zellen ergeben. Denkbar ist es zum Beispiel, in der Frühphase eines Schlaganfalls die schädliche Fraktion der T-Zellen vorübergehend auszuschalten und so die Ausfallerscheinungen zu lindern.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg