Überschuldete Menschen leben ungesünder

Das zeigt nun eine Studie des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dass zwischen Armut und Gesundheit ein Zusammenhang besteht, ist wissenschaftlich eindeutig belegt. Dies trifft nicht nur für Länder der Dritten Welt zu, sondern auch für westliche Industrienationen wie die Bundesrepublik Deutschland.

Mit der Studie "Armut, Schulden und Gesundheit" liegen nun erstmals für Deutschland Daten über die tatsächliche sozialmedizinische Situation von überschuldeten Privatpersonen vor. Die Erhebung erfolgte zwischen Juli 2006 und März 2007 in Kooperation mit 53 Schuldnerberatungsstellen in Rheinland-Pfalz. Insgesamt nahmen 666 Personen zwischen 18 und 79 Jahren teil. Rund 80 Prozent der Probanden gaben an, derzeit an mindestens einer Erkrankung zu leiden, im Durchschnitt wurden zwei Erkrankungen pro Person genannt.

Psychische Erkrankungen und Wirbelsäulenerkrankungen sind mit jeweils 40 Prozent die häufigsten Beeinträchtigungen - unter denen Frauen übrigens häufiger leiden als Männer. Auch von Schilddrüsenproblemen scheinen Frauen eher betroffen zu sein, während Männern häufiger Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen zu schaffen machen.

Zu dem defizitären Gesundheitszustand der überschuldeten Privatpersonen kommt hinzu, sie medizinische Leistungen nur in geringem Maße wahrnehmen. 65 Prozent der Befragten haben aus Geldmangel die vom Arzt verschriebenen Medikamente nicht gekauft. 60 Prozent haben Arztbesuche unterlassen, weil sie das Geld für die Zuzahlungen nicht aufbringen konnten. Und auch in anderer Hinsicht kann die untersuchte Personengruppe den Forderungen nach einem gesunden Lebensstil nicht nachkommen: Ungefähr jeder zweite gibt an, sich infolge der Überschuldung ungesund zu ernähren und wenig Sport zu treiben.

MEDICA.de; Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz