„Das hängt immer mit der Schwere der Verletzung zusammen“

Foto: Fuß mit Verband

Die fachgerecht Versorgung von
Wunden, die mit einem Hauttrans-
plantat behandelt wurden, ist
unbedingt notwendig; © Hemera

MEDICA.de sprach mit Bernd Hartmann, Chefarzt des Zentrums für Schwerbrandverletzte am Unfallkrankenhaus Berlin, über das Risiko nach einer Hauttransplantation nicht mehr richtig fühlen zu können.

MEDICA.de: Herr Hartmann, nach einer Hauttrans- plantation kann es zu einer Sensibilitätsstörung kommen, da oft Nervenzellen durchtrennt wurden. Kommt diese Komplikation häufig vor?

Bernd Hartmann: Bei sehr schweren Verbrennungen ist es immer so, dass der Tastkörpersinn der Nerven und Hautzellen aufgehoben ist. Die Strukturen im Gewebe sind zerstört und es bildet sich Ersatzgewebe, Narben, in denen das Gefühl schwer gestört ist. Das kann allerdings ganz unterschiedliche Ausmaße haben. Manche Patienten haben ein abgeschwächtes Empfinden, andere haben das Gefühl völliger Taubheit der behandelten Partie. Bei vielen regenerieren sich die Zellen auch wieder. Das hängt immer mit der Schwere der Verletzung zusammen und wie gut ein Hauttransplantat die zerstörten Strukturen wieder aufbauen kann.

MEDICA.de: Es gibt verschiedene Methoden der Hautverpflanzung. Eignet sich eine besonders, um den Tastkörpersinn in der Haut zu erhalten oder zumindest später mit großer Wahrscheinlichkeit wiederzuerlangen?

Hartmann: Bei kleineren Hautpartien entnimmt man dem Patienten ein Stück seiner eigenen oberen Hautschicht und verpflanzt diese dann an die geschädigte Stelle. Diese sogenannte Spalthaut ist sehr dünn und heilt recht schnell. Allerdings ist die Qualität auch nicht so gut. Diese Haut hat die Tendenz zu schrumpfen und die Narbe wird oft sehr unschön. Bei größeren Flächen versucht man die Fläche eins zu eins auszugleichen mit etwas dickerer Eigenhaut, deren Qualität dann aber auch besser ist. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Haut die zerstörten Strukturen wieder aufbauen kann, etwas größer.

MEDICA.de: Was sind die Auswirkungen für die Patienten ohne Gefühl im operierten Bereich zu leben, zum Beispiel an Händen und Füßen?

Hartmann: Bei einer vollständigen Verbrennung der Hand oder des Fußes ist es nicht so wichtig, dass die Haut wieder etwas empfinden kann, sondern die Herstellung der Funktionalität. Es müssen also von vornherein Möglichkeiten angeboten werden, diese wieder vollständig im Alltag nutzen zu können. Es gibt zum Beispiel inzwischen viele Möglichkeiten mit Prothesen zu arbeiten, um im normalen Leben nicht eingeschränkt zu sein.

MEDICA.de: Bei schwerer Narbenbildung nach der Hautverpflanzung sind oft noch weitere Operationen notwendig. Kann man durch eine spätere OP die Sensibilität der Haut verbessern?

Hartmann: Es besteht die Möglichkeit, durch weitere Operationen die verbrannte Stelle optisch wieder aufzuwerten, dass heißt, extreme Narbenbildung zu vermeiden. Aber in wie weit die Sensibilität wieder hergestellt werden kann, hat mit der Häufigkeit der Operationen nichts zu tun.

MEDICA.de: Es gibt inzwischen Sprays, die den Heilungsprozess der herkömmlichen Transplantation mit Eigenhaut beschleunigen sollen. Was halten Sie davon?

Hartmann: Wir bieten hier in Berlin auch diese Methode an und haben damit sehr gute Erfahrungen bei kleineren chronischen Wunden gemacht. Die kosmetischen Ergebnisse werden einfach schöner als bei einer Transplantation, da die Wunde schöner zusammenwächst.

MEDICA.de: Könnten Sprays dabei helfen, dass der Körpertastsinn verbessert wird?

Hartmann: Diese Sprays sind bei wirklich tiefen Wunden nicht anwendbar. Die Verletzung ist einfach zu schwerwiegend, als dass man dort die eigene Wundheilung noch unterstützen könnte. Hier besteht also kein Zusammenhang.

Das Interview wurde von Kathrin Burghof geführt
MEDICA.de