„Gesichter der Demenz"

Foto: Plakat des Welt-Alzheimertag 2011

In Deutschland, wo 1,2 Millionen
Demenzkranke und ihre Familien
leben, wenden sich heute die
regionalen Alzheimer-Gesellschaften,
Landesverbände und Selbsthilfegruppen
mit zahlreichen Veranstaltungen
an die Öffentlichkeit.;© Deutsche
Alzheimer Gesellschaft e.V.

Die Erkrankten sind manchmal noch keine 60 Jahre alt, manchmal sind sie über 90. Manche sind körperlich fit, andere sind bettlägerig. Manche stehen ganz am Anfang der Krankheit, andere sind sehr stark auf Hilfe angewiesen. Dies vor Augen zu haben ist wichtig, um der immer noch verbreiteten Meinung entgegenzutreten, dass Demenzkranke stets hochaltrig sind, körperlich schwer pflegebedürftig, sich nicht äußern können und, wie es leider oft heißt, „sowieso nichts mehr mitbekommen“.

Menschen im frühen Krankheitsstadium einer Demenz sind weitgehend selbstständig, haben viele Fähigkeiten und Möglichkeiten. Zunehmend bilden sich Gruppen von Betroffenen, die am sozialen Leben teilhaben wollen und ihre Wünsche artikulieren. Mit dem Fortschreiten der Krankheit benötigen sie mehr Unterstützung. Am Lebensende können sie ihre Bedürfnisse nur noch schwer ausdrücken und brauchen eine einfühlsame Begleitung. Menschen mit Demenz können glücklich sein, wenn sie im Kontakt mit anderen sind und Liebe und Wertschätzung erfahren. Sie sind traurig und verzweifelt, wenn sie sich einsam und hilflos fühlen oder unter Schmerzen leiden. Auch die Lebensumstände von Menschen mit Demenz sind sehr unterschiedlich. Sie leben in Partnerschaften, in Familien, in Pflegeheimen oder in Wohngemeinschaft mit anderen Betroffenen, und immer mehr leben alleine.

Der Welt-Alzheimertag wurde 1994 von der Dachorganisation Alzheimer’s Disease International (ADI) mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. ADI, die internationale Vereinigung von Alzheimer-Gesellschaften in 76 Ländern, koordiniert die Aktivitäten weltweit. Von der Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzformen sind Menschen in allen Teilen der Welt betroffen, unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und Kultur. Am Welt-Alzheimertag geht es überall darum, eine breite Öffentlichkeit auf die Situation der weltweit etwa 36 Millionen Demenzkranken und ihrer Familien aufmerksam zu machen. Die Zahl der Erkrankten wird sich bis 2050 auf voraussichtlich 115 Millionen erhöhen.

Die Diagnose von Demenzerkrankungen ist Schwerpunkt des am 13. September 2011 von Alzheimer’s Disease International in New York veröffentlichten World Alzheimer Report 2011. In dem unter Leitung von Professor Martin Prince vom Londoner King’s College erstellten Bericht wird festgestellt, dass weltweit bis zu 28 Millionen von etwa 36 Millionen Betroffenen keine Diagnose und evidenzbasierte Therapie erhalten. Auch in Deutschland, wo im Vergleich zu vielen Ländern ein effizientes und gut entwickeltes Gesundheitssystem existiert, weisen Studien nach, dass bei den leichten Demenzen nur 12-33 Prozent, bei fortgeschrittenen Demenzerkrankungen 34-73 Prozent erkannt werden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.