"Anstrengende Arbeit mit geringer Kontrolle über die eigene Tätigkeit sowie hohe berufliche Verausgabung ohne entsprechende Belohnung durch Geld, Anerkennung, Aufstiegschancen oder Arbeitsplatzsicherheit gehen mit einer Risikoverdoppelung der Koronaren Herzkrankheit einher", erklärte Prof. Dr. Johannes Siegrist, warum Herzinfarkt alles andere als eine "Manager-Krankheit" ist. "Diese Bedingungen sind bei Erwerbstätigen mit niedrigem Sozialstatus häufiger und können weniger gut kompensiert werden. Gleiches gilt für chronische familiäre Konflikte und soziale Isolation."

Der Experte schilderte weiterhin, dass derartige psychosoziale Stressbelastungen zu einem gesteigerten Konsum gesundheitsschädigender Substanzen führen, wie neuere Forschungsergebnisse gezeigt haben. Doch das allein erkläre noch nicht das hohe Herz-Risiko: "Es kommt auch zur fortgesetzten Aktivierung des autonomen Nervensystems, was die Stress-assoziierten Schädigungen des kardiovaskulären Systems vorantreibt", erklärt Prof. Siegrist.

Der Stellenwert psychosozialer Stressbelastungen wird nach wie vor häufig unterschätzt, kritisiert Prof. Siegrist, Ärzte müssten das Sozial-Risiko in Sachen Herz in stärkerem Maße berücksichtigen: "Wichtige soziale Stressoren und unangemessene Formen der Stressbewältigung lassen sich im Anamnese-Gespräch und mit Screenigverfahren identifizieren. Und es stehen auf diesen Informationen aufbauende ärztliche Maßnahmen zur Stressbewältigung zur Verfügung, zum Beispiel Entspannungsverfahren oder die Überweisung an psychotherapeutische Spezialisten."

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.