"Da, ähnlich wie beim Herzinfarkt, auch beim Hirninfarkt jede Minute zählt, ist es sehr wichtig, diese Diagnose möglichst sicher und möglichst schnell zu stellen", betont die Bonner Radiologin Professor Dr. Christiane Kuhl. "Mit Computertomographen geht das jedoch erst nach einigen Tagen - viel zu spät, um Spätfolgen des Infarkts noch zu vermeiden."

"Bei einem Schlaganfall schwellen die Zellen in der Umgebung an", erklärt Kuhl. "Daher kann das Gewebswasser nicht mehr ungehindert zirkulieren. Diese Einschränkung lässt sich im diffusionsgewichteten MRT-Bild sehen - wenige Minuten nach dem Infarkt."

Einen Haken habe die Sache aber: Das Signal, das durch die eingeschränkte Wasserzirkulation entsteht, sei extrem schwach. Gerade kleine oder sehr frische Schlaganfälle könnten daher den Augen der Radiologen entgehen. Hoffnung setzen die Mediziner auf eine neue Generation von MRT-Geräten, die mit hohen Magnetfeldstärken von drei Tesla arbeiten.

3-Tesla-Tomographen liefern ein kontrastreicheres Bild als die bislang verfügbaren 1,5-Tesla-Geräte, bei denen der Magnet nur halb so stark ist. Kehrseite der höheren Feldstärke sei aber eine größere Zahl von Bildfehlern. "Es war daher bislang umstritten, ob die 3-Tesla-Technik bei der Früherkennung von Schlaganfällen überhaupt Vorteile bringt", sagt Kuhl.

Die Bonner Studie entkräftet diese Befürchtungen. Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 25 Patienten mit Schlaganfall-Symptomen. Bei 19 von ihnen fanden sie Infarktherde bei beiden Magnetstärken.

"Auf den 3-Tesla-Bildern zählten wir insgesamt 47 Infarkte, auf den 1,5-Tesla-Bildern dagegen nur 36. Die kleinen Infarktherde waren dort jedoch nur zum Teil zu sehen. Gerade sie lassen aber weit reichende Schlüsse auf den Zustand der Hirngefäße zu - beispielsweise, ob zum Beispiel verkalkte Hirn-Arterien bereits zu bleibenden Durchblutungsstörungen geführt haben, die aber noch keine Symptome verursachen", so Kuhl.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn