Häufig geht einem Schlaganfall eine transitorische ischämische Attacke, abgekürzt "TIA" voraus. Britische Forscher haben jetzt eine einfache Regel entwickelt, mit welcher Ärzte vorhersagen können, wann auf eine TIA mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten sieben Tagen ein Schlaganfall folgt.

Bisher wussten auch Ärzte nicht exakt, welche Patienten nach einer TIA besonders gefährdet sind, in den nächsten Tagen einen Schlaganfall zu erleiden. In Zukunft wird dies dank einer einfachen Regel möglich sein, die Mediziner der Oxford-Universität aufgestellt haben. Und zwar den ABCD-Score.

Die Buchstaben beschreiben vier Merkmale. A steht für ein höheres Alter. 60 Jahre oder älter gibt hier einen Punkt. B steht für einen zu hohen (mehr als 140/90 mmHg) Blutdruck (ebenfalls 1 Punkt). C bewertet die klinischen Beschwerden wie eine halbseitige Muskelschwäche (2 Punkte) oder eine Sprachstörung ohne Schwäche (1 Punkt). D kennzeichnet schließlich die Dauer der Beschwerden (60 Minuten oder länger: 2 Punkte, 10 bis 50 Minuten: 1 Punkt).

Maximal sind sechs Punkte möglich. Ein Score von fünf oder sechs Punkten zeigt ein hohes Risiko. Bei jedem dritten Patienten mit einem Score von sechs kommt es innerhalb der nächsten sieben Tage zu einem Schlaganfall. Wird dieser Hochrisikopatient aber schon im Vorfeld identifiziert, sollte er auf eine Stroke Unit stationär aufgenommen werden. Durch rasche Diagnostik und optimale Behandlung kann dann alles getan werden, um den drohenden Schlaganfall abzuwenden.

Das bedeutet jedoch keinesfalls Entwarnung für Patienten mit niedrigem Score. Auch bei diesen Patienten sollte rasch eine diagnostische Klärung erfolgen, um eine wirksame Prophylaxe einleiten zu können.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2005, Vol. 366, S. 29-36