08/08/2012

innovating medical technology in.nrw c/o AGIT mbH

Aachener Forschungsprojekt gewinnt Biomedica Collaboration Award


Personalisierte Innovationen für die Herz-Kreislauf-Therapie

Anlässlich der Biomedica, dem führenden internationalen Kongress für die Lebenswissenschaften in Belgien, Deutschland und den Niederlanden, wurde dem Aachener F&E-Projekt „MiGi – Multifunctional Image Guided Interventions“ der „Collaboration Award“ verliehen.

Der Preis zeichnet die Zusammenarbeit von Unternehmen und akademischen Einrichtungen aus, die gemeinsam anwendungsorientierte Forschung in den Bereichen LifeScience, Medizintechnik oder Biotechnologie umsetzen. In „MiGi“ haben das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT, die Klinik für Radiologische Diagnostik des Universitätsklinikums Aachen, die Hemoteq AG aus Würselen sowie die Firmen Nano4Imaging und MagnaMedics aus Aachen ihre Kräfte gebündelt, um innovative Forschung zu betreiben.

„MiGi“ entwickelt neuartige Führungsdrähte für MRT
Um interventionelle Eingriffe durchzuführen, werden bildgebende Verfahren zur Steuerung und Überwachung der OP-Instrumente eingesetzt. Röntgenstrahlen durchleuchten dabei den Patienten und zeigen dem Arzt, wo sich z.B. der Katheter in der Arterie befindet. Das Problem dabei: die Strahlenbelastung ist recht hoch und dem Patienten muss zudem ein Kontrastmittel gespritzt werden, um Gefäßsystem und Weichteile sichtbar zu machen. Da OP-Instrumente wie Führungsdrähte oder Katheter oftmals jedoch nur für den Einsatz in der Röntgendurchleuchtung bestimmt sind, wird in „MiGi“ daran geforscht, wie man zukünftig sowohl die Strahlenbelastung als auch das Kontrastmittel während einer Intervention vermeiden kann.

Die Aachener Forscher entwickeln dafür einen Führungsdraht aus faserverstärktem Kunststoff. »Dieser innovative Führungsdraht besteht aus Kunststoff, deshalb kann die Bildgebung über Magnetresonanztomographie erfolgen statt über Röntgendurchleuchtung«, so Adrian Schütte, Ingenieur am Fraunhofer IPT. Für Ärzte und Patienten hat die MRT gegenüber der Röntgendurchleuchtung viele Vorteile: Es entsteht keine ionisierende Strahlung. Auch die Darstellbarkeit des Interventionsgebiets ist besser und Kontrastmittel werden hier überflüssig.

Konkret werden in „MiGi“ neue Materialien (Faserverbundkunststoffe), Beschichtungen und flexible Fertigungstechnologien entwickelt, um für die alternativen bildgebenden Verfahren maßgeschneiderte, dünne Führungsdrähte herstellen zu können. Dafür verwenden die Forscher ein neuartiges Mikro-Pullwindingverfahren, um Endlosprofile aus faserverstärktem Kunststoff zu realisieren.
Aachener forschen an patientenadaptierter Medizintechnik
„MiGi“ ist ein Teilprojekt des Aachener Medizintechnikverbunds „innovating medical technology in.nrw“ (www.medtec-innrw.de), welcher mit insgesamt 13 Millionen Euro aus dem NRW-EU-Ziel2-Programm gefördert wird und sich dem Thema der „Patientenadaptierten Medizintechnik für die Herz-Kreislauftherapie“ widmet.

Das Konsortium aus über 40 Partnern hat sich die Entwicklung individualisierter Medizinprodukte im kardiovaskulären Bereich zur Aufgabe gemacht, mit dem Ziel, die medizinische Therapie mittels „patient customized engineering“ effektiver und nebenwirkungsärmer zu gestalten. In insgesamt sechs Forschungsprojekten arbeiten Wissenschaft, Klinik und Industrie zusammen, um innovative Lösungen und Therapien für spezifische Patientenkonstitutionen zu entwickeln. Der individuelle Organismus des Kranken rückt dabei immer mehr ins Zentrum der Behandlung.

Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rode, Sprecher des Konsortiums und Direktor des Instituts für Angewandte Medizintechnik (AME) an der RWTH Aachen, sagt zum Alleinstellungsmerkmal des Verbunds: „Bei der Genomanalyse oder der molekularen Bildgebung geht es darum, mit Hilfe von Medizintechnologien individuelle Besonderheiten des Patienten zu erkennen, wobei die Technologie selbst nicht patientenspezifisch ist. Das Aachener Cluster zielt jedoch auf etwas ganz Anderes ab: Wenn wir von personalisierter Medizintechnik reden, dann reden wir nicht von Einheitsprodukten - bei uns sind die Geräte und Systeme selbst personalisiert.“

Derzeit plant der Verbund eine Strategische Initiative zum Thema der „Personalisierten Medizintechnik“, die das Ziel hat, Aachen als Leuchtturm für „patient customized engineering“ zu etablieren. „Hier steht vor allem der Aufbau von Kooperationen für Nachfolgeprojekte mit Partnern im Vordergrund. Zum anderen wollen wir jedoch auch potentielle zukünftige Fördermittelgeber sowie Anwender für unser Thema sensibilisieren, um unsere Ideen nachhaltig weiterführen zu können“, so Schmitz-Rode.
Mehr Informationen unter www.medtec-innrw.de