Dr. Gustavo Perez-Abadia, MD, Physiologe an der University of Louisville, KY, USA, schätzt, dass jedes Jahr weltweit mehr als eine Million Gliedmaßen verloren gehen, weil sie durch Unfall oder kriegerische Handlungen abgerissen werden und dann verderben, ehe sie wieder angenäht werden können. Unter normalen Umständen kann man eine abgerissene Gliedmaße etwa sechs Stunden aufbewahren. So lange halten die Blutversorgung und die interne Energieversorgung der Muskelzellen. Vorausgesetzt, die Gliedmaße wird in einer etwa vier Grad kalten chemischen Flüssigkeit aufbewahrt, die den Energiestoffwechsel der Zellen herabsetzt.

Nun haben sich Wissenschaftler der University of Louisville daran gemacht, diese Zeit von sechs Stunden zu verdoppeln. Der Trick: Sie entwarfen eine spezielle Vorrichtung, die mit mikroskopisch feinen Lipidspeichern gefüllt ist. Diese Lipidspeicher entleeren nach und nach Tausende von kleinen Vesikeln, die mit Adenosintriposphat (ATP) gefüllt sind, dem Energiespender der Zellen. Dieses ATP wandert direkt in die Muskelzellen und wird dort aufgenommen.

In einer tierexperimentellen Studie, die jetzt beim Jahreskongress des „American College of Surgeons“ (ACS) vorgestellt wurde, überlebten Gliedmaßen bis zu 13 Stunden lang bei 23 Grad Celsius, also Raumtemperatur. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Herunterkühlung diesen Zeitraum noch einmal verlängern könnte.

Außerdem schien sich der amputierte Muskel nach der Reimplantation sogar zu regenerieren. Acht Tage nach der Operation wuchsen bestimmte Muskelfasern wieder. Möglicherweise, so vermuten die Wissenschaftler, schützten die Lipidvesikel den Gefäßbaum, welcher wiederum Nährstoffe und Sauerstoff zu den Muskelzellen bringt.

MEDICA.de; Quelle: American College of Surgeons (ACS) 91st Annual Clinical Congress