Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Frauen, die ein Kind gesund zur Welt brachten, ein geringeres Risiko für Mammakarzinome haben. Weniger klar oder auch weniger gut erforscht ist dagegen, ob abgebrochene Schwangerschaften, seien sie nun absichtlich oder unabsichtlich abgebrochen, diesen Schutz nicht bieten oder vielleicht sogar das Risiko eines Mammakarzinoms erhöhen.

Die Wissenschaftlerin Dr. Gillian K. Reeves von der University of Oxford in Großbritannien hat sich nun diese Frage gestellt. Ihre Arbeitsgruppe nutzte die Daten der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“. 267.361 Frauen hatten daran zwischen 1992 und 2000 teilgenommen. Die Daten kamen von 20 Zentren aus neun Ländern. Die Frauen wurden im Durchschnitt 6,6 Jahre lang nachverfolgt.

In diesem Zeitraum trat bei 4.805 Frauen ein Mammakarzinom auf. 1.657 dieser Frauen, also rund ein Drittel, berichteten über eine abgebrochene Schwangerschaft in ihrem Leben, und zwar willkürlich (Abtreibung) beziehungsweise unwillkürlich (Spontanabort) abgebrochene Schwangerschaft. Bei den meisten dieser Frauen war die Leibesfrucht ungewollt abgegangen.

Als man das Mammakarzinomrisiko der verschiedenen Gruppen von Frauen miteinander verglich, zeigte sich: Frauen, die einmal im Leben eine Schwangerschaft nicht beenden, haben kein erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom (relatives Risiko: 1.07). Anders bei Frauen, bei denen mindestens zwei Schwangerschaften vorzeitig durch Spontanabort beendet wurden. Sie hatten ein leicht erhöhtes Mammakarzinomrisiko von 1.20.

Günstig auch der Vergleich jener Frauen mit Schwangerschaftsabbruch gegen jene Frauen, die nie ein Kind abgetrieben hatten: Das relatives Risiko für ein Mammakarzinom ist bei ihnen sogar leicht, allerdings nicht signifikant, erniedrigt.

MEDICA.de; Quelle: International Journal of Cancer 2006, Vol. 119, S. 1741-1745