TAVI: Abschätzung von Nutzen und Risiko

21.11.2013
Foto: TAVI-Implantation

Eine kathetergestützt implantierte Aortenklappe: Durchleuchtungsbild direkt nach der Implantation;
© Universitätsmedizin Göttingen

Göttinger Ärzte entwickeln in einer Studie ein Verfahren, um Kosten und Nutzen einer TAVI-Implantation bei gebrechlichen Patienten abzuschätzen. Der „Katz-Index“ hilft bei der Einschätzung von Erkrankungen und Sterblichkeit.

Wenn die Aortenklappe so verengt ist, dass ein Klappenersatz notwendig wird, gab es lange dafür nur die Möglichkeit einer Operation. Da es jedoch sehr alte und sehr kranke Patienten gibt, die nicht operiert werden können, weil das Risiko als zu hoch angesehen wird, wurde ein neues Verfahren entwickelt, bei dem die neue Herzklappe mittels Kathetertechnik eingesetzt wird: die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI). Damit verfügt die Herzmedizin seit rund zehn Jahren über eine neue Therapieoption für diese Risiko-Patienten. Im Klinikalltag stellen jedoch Herzspezialisten bei den oftmals hochbetagten und schwerkranken TAVI-Patienten in der Nachbeobachtung fest, dass trotz der neuen TAVI-Methode eine erhebliche Sterblichkeit sowohl direkt nach dem Eingriff als auch längere Zeit danach besteht.

Um gerade bei gebrechlichen Patienten den zu erwartenden Nutzen einer TAVI und die durch den Eingriff bedingte Sterblichkeit und das Langzeitüberleben genauer berechnen zu können, haben Dr. Miriam Puls, Assistenzärztin der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Georg-August-Universität Göttingen, und Kollegen im Rahmen einer Studie ein Verfahren entwickelt, dass der Vorhersage einer erhöhten Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit nach einer TAVI dient. Für die Risikoabschätzung wird erstmals der Grad der Gebrechlichkeit des Patienten nach dem sog. Katz-Index herangezogen. Die Studie „Verhältnis von Nutzen und Risiko der kathetergestützten Aortenklappenimplantation TAVI bei gebrechlichen Patienten: Der Katz-Index als wesentlicher Prädiktor kurz- und langfristiger Morbidität und Mortalität“ wurde von der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) mit dem August Wilhelm und Lieselotte Becht-Preis 2013, dotiert mit 15.000 Euro, auf dem Herbstkongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Dresden ausgezeichnet.

„Gebrechlichkeit ist ein Merkmal, das bei vielen der hochbetagten TAVI-Patienten anzutreffen ist, das aber in den gängigen chirurgischen Risikomodellen keine Berücksichtigung findet“, erläutert Preisträgerin Dr. Puls zur Studie. „Diese Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie eben diese gängigen Berechnungsmodelle der Herzchirurgie zur Risikoabschätzung um ein neues Verfahren erweitert, das den Bedingungen eines TAVI-Eingriffs bei gebrechlichen Patienten viel besser gerecht zu werden scheint“, würdigt der Herzspezialist Prof. Udo Sechtem, Vorstandsvorsitzender der DSHF, die prämierte Studie.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V.