Trotz aller Fortschritte in der Diagnose und vor allem der Therapie von HIV-Infektionen ist diese Infektionskrankheit weltweit noch immer ein großes Problem. Nach Schätzungen sind weltweit 38,6 Millionen Menschen davon betroffen. Noch immer ist Vorbeugung die wichtigste Methode, um diese Erkrankung einzudämmen. Eine dieser Strategien zielt auf die sexuelle Abstinenz. Jugendliche sollen vom vorehelichen Geschlechtsverkehr abgehalten werden, um das Risiko einer HIV-Infektion zu verringern.

Ob dies wirklich gelingt, hat jetzt eine Meta-Analyse untersucht, zu der mittels Datenbanken verschiedene Studien herangezogen wurden. Genutzt wurden nur randomisierte Untersuchungen aus hoch entwickelten Ländern wie den USA. Die Studien bezogen sich auf Abstinenzprogramme, die entweder die Verhütung einer HIV-Infektion oder die Verhütung einer ungewollten Schwangerschaft oder beides zum Ziel hatten.

13 Studien genügten diesen Kriterien. 15.940 Jugendliche hatten daran teilgenommen. Offenbar war es keinem der untersuchten Programme gelungen, das sexuelle Verhalten der Jugendlichen zu beeinflussen. Ob es sich um die Inzidenz ungeschützten Geschlechtsverkehrs, die Zahl der Geschlechtspartner, den Gebrauch von Kondomen oder das Alter des ersten Geschlechtsverkehrs handelte: In all diesen Kategorien unterschieden sich jene Jugendliche, die an einem Abstinenzprogramm teilgenommen hatten, nicht signifikant von anderen Jugendlichen.

Diese Meta-Analyse stützt frühere Untersuchungen, die den Abstinenzprogrammen einen geringen Nutzen bei der Prävention von HIV-Infektionen bescheinigten. Insofern erhält die vorliegende Studie eine politische Bedeutung, da es gerade in den USA starke Kräfte gibt, die bei der HIV-Prävention alleine auf sexuelle Enthaltsamkeit setzen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 335, S. 248