Abtreibung macht Frauen nicht depressiv

Ungewollte Schwangerschaft und ihre
Konsequenzen; © Hemera

Häufig wird von Abtreibungsgegnern ins Feld geführt, eine Abtreibung stelle für die Frauen keine Befreiung dar, sondern führe häufig zu Depressionen und Schuldgefühlen. Allerdings basierte diese Behauptung bislang hauptsächlich auf Beobachtungen. Studien zu diesem Thema gab es kaum.

Daten zu dieser heiklen Frage kommen jetzt aus den USA. Dort haben Psychologen der University of Colorado und der Arizona State University untersucht, wie es Frauen erging, die eine erste Schwangerschaft ausgetragen hatten. Diese Gruppe verglichen sie mit Frauen, die eine erste Schwangerschaft abgetrieben hatten.

An dieser longitudinalen Kohortenstudie, die 1979 begann, nahmen 1.247 Frauen teil. Alle Frauen waren damals zwischen 14 und 24 Jahren alt. Die Probandinnen waren beim ersten Mal ungewollt schwanger geworden und hatten das Kind ausgetragen oder abgetrieben. Mehrfach wurden sie mit dem "Center for Epidemiological Studies depression scale" in Bezug auf depressive Symptome beurteilt.

Während des langen Nachbeobachtungszeitraums zeigte sich, dass jene Frauen, die ihr erstes Kind abgetrieben hatten, keine signifikant höheren Depressionswerte haben als Frauen, die ihr ungewolltes Kind austrugen. Im Gegenteil: Es zeigte sich sogar eine Tendenz, dass jene Frauen, die damals Mutter geworden waren, sogar eher zu Depressionen neigten als die anderen Frauen.

Allerdings waren die Frauen, welche abgetrieben hatten, durchschnittlich höher gebildet als die anderen, hatten eine geringere Familiengröße und mehr Gehalt. All dies sind Faktoren, die seltener zu Depressionen führen. Kritiker der Studie sagen daher, dass die beiden Gruppen von Frauen nicht direkt vergleichbar waren. Immerhin kann man nach dieser Studie wohl nicht mehr ohne weiteres sagen, dass eine Abtreibung Frauen in die Depression treibt.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Early Online, doi:10.1136/bmj.38623.532384.55