Die umfangreichen Daten stammen aus zwei älteren Studien, die nun in dieser Hinsicht neu analysiert wurden: dem „British Doctors Aspirin Trial“ und dem „UK Transient Ischaemic Attack (UK-TIA) Aspirin Trial“. An diesen Untersuchungen hatten in den späten 70er und 80er Jahren 5.139 beziehungsweise 2.449 Personen teilgenommen.

Randomisiert nahm jeweils ein Teil der Gruppe fünf beziehungsweise ein bis sieben Jahre lang Acetylsalicylsäure in einer Dosis von 500 mg beziehungsweise 300 oder 1.200 mg ein. Zum damaligen Zeitpunkt war der positive Einfluss von Acetylsalicylsäure auf Karzinome noch nicht bekannt.

Berechnungen haben gezeigt, dass die Inzidenz bei jenen Probanden, die Acetylsalicylsäure eingenommen hatten, deutlich niedriger war als in der Kontrollgruppe. Allerdings zeigt sich dieser positive Aspekt erst nach einer Latenz von zehn Jahren. Am stärksten ist der Effekt bei Personen, die mindestens fünf Jahre lang ASS genommen haben, zehn bis 14 Jahre nachdem sie mit der Einnahme von ASS begonnen haben. Insgesamt sinkt das Risiko um 37 Prozent, zehn bis 15 Jahre nach Beginn der Studie sogar um 74 Prozent.

Diese Daten stützen das Ergebnis früherer Untersuchungen, die ebenfalls einen positiven Einfluss von ASS auf das Risiko kolorektaler Karzinome gefunden hatten. Allerdings wollen die Studienleiter nicht so weit gehen, ASS der breiten Bevölkerung als Krebsprophylaxe zu empfehlen.

Zum einen sind die Langzeitfolgen der Einnahme von ASS noch nicht genügend bekannt. Zum Zweiten gibt es gute Möglichkeiten, ein kolorektales Karzinom durch Screening recht frühzeitig zu entdecken. Über eine regelmäßige Einnahme sollte man aber bei nahen Angehörigen von betroffenen Krebspatienten nachdenken, deren Risiko, ebenfalls an einem kolorektalenKarzinom zu erkranken, zwei- bis vierfach höher ist als in der Allgemeinbevölkerung.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2007, Vol. 369, S. 1577-1578, 1603-1613