Verschiedentlich haben Studien gezeigt, dass Acetylsalicylsäure (ASS) das Wiederauftreten gastrointestinaler Adenome innerhalb von drei Jahren verhindern kann. Ob ASS in gleicher Weise auch das Risiko von kolorektalen Karzinomen senkt, ist jedoch bislang nicht eindeutig nachweisbar. Erste Daten aus der großen "Women’s Health Initiative" waren eher entmutigend: Niedrige ASS-Dosen von 50 mg täglich über zehn Jahre hinweg zeigten keinen protektiven Effekt.

Anders nun Daten aus der "Nurse’s Health Study". An dieser prospektiven Studie nahmen 82.911 Frauen teil. Seit 1980 wurden sie regelmäßig untersucht und befragt, bis zum Jahre 2000.

Innerhalb des Untersuchungszeitraums von 20 Jahren traten 962 Fälle eines kolorektalen Karzinoms auf. Beim Vergleich mit der Einnahme von ASS zeigte sich: Frauen, die regelmäßig ASS einnahmen, das heißt mindestens 650 mg pro Woche, hatten ein relatives Risiko von 0.77 für das Auftreten eines solchen Karzinoms. Das bedeutet eine Risikosenkung von 23 Prozent. Allerdings war dieser protektive Effekt nur dann sichtbar, wenn die Frauen ihr ASS mindestens zehn Jahre lang einnahmen (p kleiner 0.001).

Der protektive Effekt ist dosisabhängig. Bei mehr als 14 ASS-Standarddosen pro Woche sinkt das relative Risiko gar auf 0.47, was einer Risikoreduktion von 53 Prozent entspricht.

Ähnliches gilt übrigens auch für andere Wirkstoffe aus der Gruppe der Nicht-steroidalen Antirheumatika: Sie zeigen einen dosisabhängigen Schutzeffekt gegen kolorektale Karzinome. Allerdings stieg mit der Dosis auch das Risiko gastrointestinaler Blutungen. Am Ende wird man also den potentiellen Schutzeffekt bei kolorektalen Karzinomen gegen das Blutungsrisiko abwägen müssen, schreiben die Autoren.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 2005, Vol. 294, S. 914-923