Die zersplitterte Qualifizierungslandschaft in den Gesundheitsberufen muss übersichtlicher werden, mehr Qualität und bessere Karrierechancen bieten, Effizienz und Qualität der Branche müssen durch leistungsfähigere Arbeitsprozesse und bessere Arbeitsbedingungen gesteigert werden. Im soeben erschienenen Handbuch Gesundheitswissenschaften plädieren die Wissenschaftler des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) PD Dr. Josef Hilbert und Michaela Evans dafür, Fragen von Qualifikation und Arbeitsorganisation stärker zu berücksichtigen, um die Gesundheitswirtschaft grundlegend zu modernisieren.

Nach Berechnungen des IAT arbeiten bundesweit 4,5 Millionen Beschäftigte in der Gesundheitsbranche. In den kommenden 15 Jahren kann mit 450 000 bis 850 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet werden. Aber die Arbeit in der Gesundheitswirtschaft ist schlecht organisiert und führt zu hohen Belastungen für das Personal.

Die Folge sind Personalengpässe, die sich voraussichtlich noch verschärfen werden. Allein in der stationären Altenhilfe fehlen derzeit etwa 20 000 zusätzliche Pflegekräfte, mit 19 Prozent ist die Fluktuation in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen hoch und jede 5. examinierte Pflegekraft in Deutschland denkt intensiv an einen Berufsausstieg.

In der Praxis der Qualifizierung für die Gesundheitsberufe stellt sich konkret die Frage, ob Struktur und Qualität der beruflichen Bildung den gewandelten fachlichen Anforderungen noch gerecht werden. Eine grundlegende, umfassende und systematische berufsbildungspolitische Reform steht für die Gesundheitsberufe insgesamt noch aus. Zukünftig sollte verstärkt das Zusammenspiel der Qualifikationen im betrieblichen Modernisierungsprozess herausgearbeitet werden. Sinnvoll wäre zudem eine Anbindung an die berufspädagogischen Standards des dualen Ausbildungssystems in Deutschland.

MEDICA.de; Quelle: Institut Arbeit und Technik