Aggressive Formen gezielter behandeln

Nach jeder Brustkrebsoperation wird der entfernte Tumor von einem Pathologen feingeweblich untersucht. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob sich bereits Metastasen in den Lymphknoten gebildet haben. Auch der Tumor selbst verrät häufig, wie aggressiv er sich entwickelt.

Das Urteil des Pathologen entscheidet, ob die Operation die ausreichende Therapie ist, die den Krebs geheilt hat oder ob eine für die Patientin belastende Chemotherapie oder eine Strahlentherapie notwendig ist. Diese Unterscheidung sicher zu treffen, ist eine der größten ungelösten Probleme in der Behandlung des Mammakarzinoms, sagt Professor Hans Kreipe, Direktor des Instituts für Pathologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Dieses Problem könnte durch eine neue Untersuchungsmethode, dem sogenannten Genprofiling gelöst werde: Pathologen suchen dabei die nach Genen, die kennzeichnend für die Aggressivität einer Krebserkrankung sind. Ein erster derartiger Test wurde kürzlich in den USA eingeführt. Sein Ergebnis nimmt direkten Einfluss auf die Therapie.

Diese besteht heute nicht mehr nur in der Gabe von Zytostatika, die ungezielt Tumorzellen zerstören. Immer häufiger kommen Medikamente zum Einsatz, die bestimmte Zielmoleküle im Tumor angreifen. "Der therapeutische Schlag soll gegen die Achillesferse eines Tumors gerichtet werden", sagt Kreipe. Die Aufgabe des Pathologen bestehe in Zukunft darin, mögliche Zielmoleküle im Tumor zu erkennen. Inwiefern dies heute schon möglich ist, wird nach Auskunft des Experten derzeit in klinischen Studien in Deutschland untersucht.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Senologie