Aids-Therapie erfolgt oft zu spät

In Entwicklungsländern ist die
Sterblichkeit bei HIV-Infizierten
hoch; © PixelQuelle.de

Die hochaktive antiretrovirale Therapie, kurz HAART, hat die Sterblichkeit der HIV-Infizierten in den industrialisierten Ländern um etwa 90 Prozent reduziert. HAART wird seit kurzem auch vermehrt in Afrika, Asien und Lateinamerika eingesetzt. Die Erfolgsquote der Therapie in diesen Ländern ließ sich bisher jedoch nicht genau bestimmen.

Eine großangelegte Studie, die vom Berner Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) koordiniert wird, ging diesem Problem nach. Die Autoren verglichen die Sterblichkeit von Patientinnen und Patienten, die in Kliniken in Afrika , Asien und Brasilien mit HAART behandelt wurden, mit der Sterblichkeit von Patienten in Europa und Nordamerika. "Die Mortalität war in den ersten Monaten in den Ländern des Südens deutlich höher als in Europa und Nordamerika", stellt Professor Matthias Egger vom ISPM fest. Dies sei im wesentlichen auf die fortgeschrittene Zerstörung des Immunsystems durch HIV und die oft gleichzeitig bestehende Tuberkulose bei Patienten in Entwicklungsländern zurückzuführen. "In den Industrieländern wird meistens früher behandelt", meint Egger.

Die Forscher beobachteten auch, dass die Sterblichkeit höher ausfiel, wenn die Patienten für die Behandlung selber aufkommen mussten. "Wahrscheinlich wurde die Therapie unterbrochen, weil das Geld fehlte", vermutet Dr. Paula Braitstein, die Projektleiterin in Bern. Sie zieht folgendes Fazit: "Die Diagnose sollte früher gestellt werden. Außerdem sollte die Therapie kostenlos sein und rechtzeitig beginnen."

Eine Weiterführung des Forschungsprojekts wurde vor kurzem bewilligt, wobei sich die Forschung in Zukunft vermehrt auf das südliche Afrika konzentrieren wird. Dort leben 30 Prozent der schätzungsweise 40 Millionen HIV-Infizierten weltweit. Das Projekt soll klären, wie die Behandlung möglichst rasch und flächendeckend eingeführt und deren Wirksamkeit erhöht werden kann.

MEDICA.de; Quelle: Universität Bern