Ziel des Berichts ist es, aus aktuellen, methodisch hochwertigen Leitlinien diejenigen Empfehlungen zu identifizieren, die für die geplante Überarbeitung des entsprechenden Disease-Management-Programms (DMP) von Bedeutung sein könnten. Demnach muss das DMP an keiner Stelle dringend überarbeitet werden. Allerdings identifizierte das IQWiG verschiedene Aspekte, die ergänzt und spezifiziert werden könnten.

Empfehlungen zu DMP zu erarbeiten und abzugeben, gehört zu den im Gesetz (Sozialgesetzbuch V) festgeschriebenen Aufgaben des IQWiG. Im jetzt abgeschlossenen Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) haben die Wissenschaftler systematisch nach neuen Leitlinien gesucht, deren methodische Qualität bewertet und daraus relevante Empfehlungen zu Diagnose und Therapie von Diabetes mellitus Typ 2, zu dessen Begleit- und Folgeerkrankungen sowie zur Kooperation von Versorgungssektoren zusammengestellt. Zudem haben sie dokumentiert, wie hoch die Leitlinienautoren die Belastbarkeit der Empfehlungen einstufen. Erneut überprüft wurden die Quellen der Empfehlungen allerdings nicht. Darin unterscheiden sich die Leitlinienbewertungen von den Nutzenbewertungen des Instituts.

Eingeschlossen wurden insgesamt 35 deutsche und internationale Leitlinien, die Empfehlungen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes enthalten. Wie die Auswertung ergab, stimmen die Empfehlungen mit den Vorgaben des DMP weitgehend überein. Inhaltliche Widersprüche zu den Anforderungen des DMP gibt es keine. "Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 können also sicher sein, dass das derzeitige DMP in allen wesentlichen Punkten dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens entspricht", betont IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler.

Allerdings fanden sich in diesen Leitlinien zu insgesamt 8 Themenbereichen Empfehlungen, aus denen sich nach Prüfung und Diskussion Aktualisierungs- und Ergänzungsbedarf des deutschen DMP Diabetes mellitus Typ 2 ergibt oder zumindest diskutiert werden könnte.

So empfehlen Leitlinien beispielsweise zusätzliche Medikamente. Das gilt unter anderem für die topische Anwendung von Isosorbiddinitrat und Capsaicin-Spray zur Behandlung der schmerzhaften diabetischen Neuropathie. Zur Vorbeugung und Behandlung des diabetischen Fußsyndroms raten Leitlinien dazu, den Gefäßzustand mittels Knöchel-Arm-Index zu überprüfen.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)