Aktuelles im Kampf gegen Krankheitserreger

Foto: Giftige Gurken

Im vergangenen Jahr war auch Obst und Gemüse
für massenhafte Erkrankungen verantwortlich;
© panthermedia.net/Michael Rosenwirth

Infektionen über Lebensmittel werden in Deutschland vor allem durch die Bakteriengattungen Campylobacter und Salmonellen verursacht. Erfolge bei der Zoonosenbekämfung zeigen sich besonders deutlich im Rückgang der Salmonelleninfektionen: Durch Bekämpfungsmaßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben konnten die Infektionszahlen innerhalb von fünf Jahren von etwa 55.000 auf unter 25.000 Infektionen pro Jahr reduziert werden. Infektionen mit Campylobacter sind hingegen weiterhin die häufigsten zoonotischen Infektionen des Menschen und ein Rückgang der Infektionszahlen zeichnet sich bislang nicht ab.

Neben den bakteriellen Erkrankungszahlen spielen auch die durch Noro- und Rotavirus ausgelösten Infektionen in Deutschland eine große Rolle. Dennoch fehlen nach wie vor wichtige Erkenntnisse zu deren Übertragungswegen, Tenazität und Inaktivierung. Auch die Meldungen von Erkrankungen durch das bisher nur wenig untersuchte zoonotische Hepatitis E-Virus nehmen stetig zu. Darüber hinaus muss durch die Ausweitung des globalen Lebensmittelhandels auch mit Viren gerechnet werden, die in Deutschland bisher nur eine untergeordnete Rolle bei Lebensmittelkontamination spielen.

Die Referenten und Teilnehmer der Veranstaltung betonten die Bedeutung der Hygiene, insbesondere von Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, für die Bekämpfung der unterschiedlichsten Zoonoseerreger. Wichtig ist hier auch eine kritische Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen: Neben intensiven Kontrollmaßnahmen für bedeutsame Erreger wie Salmonellen oder Campylobacter auf allen Stufen der Lebensmittelkette müssen auch seltene Kombinationen aus Erregern und Lebensmitteln als Gefahrenquelle berücksichtigt werden. So haben verschiedene Krankheitsausbrüche gezeigt, dass auch über pflanzliche Lebensmittel Infektionserreger verbreitet werden können.

„Wir stellen zwar bei vielen lebensmittelbedingten Erkrankungen einen Rückgang der Infektionszahlen fest, aber wir müssen dennoch weiter an einer kontinuierlichen und effektiven Zoonosenbekämpfung arbeiten“, sagt Professor Andreas Hensel vom BfR.

Fortschritte sind derzeit bei der Entwicklung diagnostischer Methoden zum Nachweis von Erregern zu verzeichnen. Damit sind neue Herausforderungen verbunden: So ist mittlerweile die Analyse des gesamten Genoms eines Erregers technisch sehr einfach geworden, was ein vertieftes Verständnis der Eigenschaften dieser Erreger und genetischer Veränderungen ermöglicht, aber auch Fragen zur Bedeutung der Daten aufwirft. So sind beispielsweise Erreger in der Lage, ihre Eigenschaften zu verändern oder sich in anderen Lebensräumen wie Pflanzen zu etablieren. Die Methoden der Diagnostik und Epidemiologie müssen daher stetig weiter verbessert und problembezogen eingesetzt werden.

Erweiterte Möglichkeiten der Datenerfassung und des Datenmanagements sowie die Erarbeitung neuer Methoden zur Simulation erlauben eine verbesserte und schnellere Risikobewertung. Die Zuordnung von Infektionen zur Quelle und die Einschätzung der von bestimmten Erregern ausgehenden Gefahren, werden durch die neuen epidemiologischen und diagnostischen Möglichkeiten kontinuierlich verbessert. Eine wesentliche Grundlage dafür ist die aktuelle Übersicht über das Vorkommen und die Eigenschaften von Erregern in den verschiedenen Lebensmittelketten, wie sie im Rahmen des Zoonosen-Monitorings gewonnen wird. Daraus ergibt sich die Forderung, die Monitoringaktivitäten weiter zu verstärken.

Bei der Aufklärung großer Ausbrüche haben Analysen der Lieferströme der Lebensmittel einen zentralen Beitrag geleistet. Die Kombination von Diagnostik in hochspezialisierten Labors mit EDV-gestützten epidemiologischen Untersuchungen, wie sie im BfR zur Verfügung stehen, spielen bei der Ausbruchsaufklärung eine große Rolle. Mit Blick auf die komplexen Vertriebswege im Handel wurde für die Ausbruchsaufklärung jedoch Bedarf für verbesserte Instrumente zur Rückverfolgung von Zutaten identifiziert.

MEDICA.de; Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung