Kliniken: Akutschmerztherapie noch keine Routine

08.05.2013
Foto: Mann mit Ärztinnen

Die effiziente Behandlung akuter Schmerzen ist wirksam und spart Kosten. Trotzdem ist sie nicht in allen Krankenhäusern optimal; © pan-
thermedia.net/Dmitriy Shironosov

Jeder Patient hat Anspruch auf Linderung seiner Schmerzen. Viele Krankenhäuser behandeln akute Schmerzen jedoch noch nicht optimal.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler, die im Auftrag des DIMDI die Effektivität der Akutschmerztherapie in Krankenhäusern untersucht und Publikationen zu dem Thema ausgewertet haben. Sie zeigen, dass eine effiziente Behandlung akuter Schmerzen wirksam ist und Kosten spart. Ihre Ergebnisse fasst ein neuer HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien).

Die Autoren weisen nach, dass Akutschmerztherapie sowohl auf postoperativen als auch konservativen Krankenhausstationen wirksam und kosteneffektiv ist. Noch bessere Ergebnisse erzielen sogenannte Akutschmerzdienste (ASD). Dabei übernimmt ein fester, ganztägig erreichbarer Personenkreis Schmerztherapie und Dokumentation (mindestens ein Anästhesist und eine Pflegekraft). Laut einer Studie sparten ASD beispielsweise rund 17% der Kosten pro Patient ein – vor allem dank kürzerer Verweildauer und geringerer Wiedereinweisungsrate.

Obwohl ASD die Behandlung von Akutschmerzen bekanntermaßen verbessern können, fehlen sie noch in vielen Krankenhäusern. Überhaupt ist häufig keine optimale Akutschmerztherapie in die Routineversorgung integriert. Schmerzen auf konservativen Stationen werden dabei schlechter versorgt als solche nach Operationen: So erhielten in einer Studie bei konservativer Behandlung über 40 Prozent der Patienten mit starken Schmerzen keine entsprechenden Medikamente. Damit besteht die Gefahr, dass unzureichend versorgte Schmerzen chronifizieren und die Lebensqualität zusätzlich verringern.

Je nach Behandlungsmethode kommen in den untersuchten Studien viele unterschiedliche Schmerzmedikamente zum Einsatz. Diese große Variation erschwert eindeutige Aussagen zugunsten einzelner Therapien. Insgesamt empfehlen die Autoren, Schmerzen individuell zu behandeln, also angepasst an die Patienten und ihre Krankheit. Eine Behandlung sollte zudem nicht nur Medikamente sondern auch andere Verfahren beinhalten, beispielsweise Physiotherapie, Akupunktur, psychologische Methoden.

Auf Grundlage der Studien empfehlen die Autoren folgende Punkte, um die Akutschmerzversorgung in Kliniken zu verbessern:
- Systematischer Ausbau der ASD
- Wiederkehrende Schulungen des medizinischen Personals
- Umfassende und regelmäßige Dokumentation (Schmerzerfassung, medikamentösen Behandlung, Nebenwirkungen)
- Schriftlich fixierte Richtlinien zur Behandlung, differenziert nach Krankheiten und Operationen
- Einbindung nichtmedikamentöser Verfahren (keine ausschließlich medikamentöse Schmerztherapie)
- Systematische Analyse des Bedarfs für Akutschmerztherapie auf konservativen Stationen

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information