Der Kryptorchismus ist eine der häufigsten kongenitalen Fehlbildungen beim Jungen. Die Ätiologie dieser Erkrankung ist bislang weitgehend unbekannt. Zu den Risikofaktoren gehören Zwillingsgeburten, geringes Geburtsgewicht und Frühgeburten. Man weiß, dass Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft zu geringem Geburtsgewicht, Frühgeburten, Fehlgeburten und einer Alkoholembryopathie führen kann. Bislang wurde aber noch nicht untersucht, ob Alkoholkonsum in der Schwangerschaft auch das Risiko eines Kryptorchismus erhöht.

Wissenschaftler aus Dänemark und Finnland haben dies nun prospektiv untersucht. 2.496 Jungen nahmen an der Studie teil. Bei 128 Jungen war der Hoden bei der Geburt noch nicht in den Hodensack gewandert. 2.368 Kinder waren gesund. Drei Monate nach der Geburt hatte sich die Zahl der Jungen, deren Hoden noch nicht dort war, wo er hingehörte, auf 33 reduziert. Außerdem befragten die Wissenschaftler die Mütter der Jungen jeweils einmal während des dritten Trimesters der Schwangerschaft und nach der Geburt. Dabei interessierten sich die Studienleiter vor allem auch für den Alkoholkonsum der Mütter.

Es zeigte sich, dass mütterlicher Alkoholkonsum in der Schwangerschaft das Risiko eines Kryptorchismus erhöht, und zwar sogar in Form einer Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr die Frauen tranken, desto höher das Risiko. Bei Frauen, die fünf Drinks pro Woche zu sich nehmen ist das Risiko ihres neugeborenen Sohnes, an einem Kryptorchismus zu leiden, 3,1-fach erhöht.

Weniger risikoreich ist, zumindest in dieser Beziehung, das Sturztrinken. Lebten Schwangere gewöhnlich abstinent, gaben sich aber nur anfallsweise heftigem Trinken hin, dann war das Risiko eines Kryptorchismus nicht signifikant erhöht.

MEDICA.de; Quelle: Environ Health Perspect 2007, Vol. 115, S. 272-277