Jeder sechste Patient, der sich an der Charité einer Operation unterzieht, ist der Untersuchung zufolge alkoholkrank. Alkoholkranke Patienten entwickeln häufiger Blutungen, Infektionen, Herzrhythmus- oder Wundheilungsstörungen. Sie leiden nach einer Operation unter deutlich mehr Stress.

"Wir können dies bis zu drei Tage nach der Operation an dem hohen Anteil des Stresshormons Cortisol im Blut der Patienten sehen", berichtet Professor Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin an der Charité. "Cortisol schwächt das Immunsystem der Patienten und trägt so zu den postoperativen Komplikationen bei." Die immunschwächende Wirkung des Alkohols könne bereits durch chronisches Trinken von 1,5 Litern Bier pro Tag ausgelöst werden.

Ihre Untersuchung zeigt erstmals, dass stressmindernde Schmerzmittel die Infektionsrate bei alkoholkranken Patienten senken. Dadurch verkürzt sich die Behandlungsdauer auf der Intensivstation im Schnitt um neun Tage. "Die behandelnden Ärzte müssen Alkohol als Risikofaktor in der operativen Medizin künftig noch stärker berücksichtigen", fordert Spies.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften