Schon seit einigen Jahren fordert die "United States Preventive Services Task Force" (USPSTF), Heranwachsende und Erwachsene, die zu HIV-Risikogruppen gehören, auf Vorliegen einer HIV-Infektion zu testen. In den neuen Leitlinien, die jetzt erschienen sind, dehnt diese Fachgesellschaft ihre Empfehlungen auf Schwangere aus. Sie tut dies auch auf der Basis von Studien, die seit der letzten Ausgabe der Leitlinien im Jahre 1996 veröffentlicht wurden.

Nach Ansicht der Fachgesellschaft haben Untersuchungen bewiesen, dass HIV-Schnelltests eine Infektion bei Schwangeren mit einer ausreichenden Sicherheit diagnostizieren können. Selbstverständlich dürfe kein Zwang ausgeübt werden. Darum empfehlen die Experten, das pränatale HIV-Screening zwar zum Routinestandard zu machen, den Schwangeren aber ein Recht zur Ablehnung einzuräumen. Dies werde den Prozentsatz der getesteten Schwangeren im Vergleich zur jetzigen Regelung – HIV-Test nur nach ausdrücklicher Zustimmung - deutlich erhöhen.

Das pränatale Screening wäre unsinnig, wenn es keine Konsequenzen hätte. Bei einer Schwangeren HIV zu diagnostizieren, hat folgende Vorteile: Ärzte haben die Möglichkeit, rechtzeitig eine antiretrovirale Therapie zu beginnen. Außerdem könnte man bei der betroffenen Frau einen Kaiserschnitt vornehmen.

Zidovudin ist nicht mehr erste Wahl, wenn es darum geht, eine vertikale HIV-Transmission zu vermeiden. Stattdessen empfehlen die USPSTF-Leitlinien Kombinationspräparate. Allerdings wird Zidovudin auf absehbare Zeit seinen Platz in der Therapie HIV-infizierter Schwangerer behalten.

Der Vorteil einer antiretroviralen Kombinationstherapie überwiege die möglichen Nachteile, sagen die Experten, nachdem sie entsprechende Studien ausgewertet haben. Der Wirkstoff Efavirenz sollte jedoch nicht eingesetzt werden, da er wahrscheinlich den Fötus schädigt.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Internal Medicine 2005, Vol. 143, S. 32-37, 38-54, 55-73