Als spontanen Abort bezeichnet man den Verlust eines Ungeborenen vor der 20. Gestationswoche. Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko eines solchen Spontanaborts. In vielen Fällen sind Chromosomenaberrationen dafür verantwortlich. Andere Faktoren sind fortgeschrittenes mütterliches Alter oder vorausgegangene Spontanaborte sowie Infektionen. Zu der Frage, ob auch das Alter des Vaters das Risiko eines Spontanaborts erhöht, liegen dagegen nur sehr wenige Daten vor.

Nun kommen Daten der „Jerusalem Perinatal Study“, an der 13.865 Frauen teilnahmen. 1.506 Frauen hatten einen Spontanabort erlitten, die anderen nicht. In ausführlichen Interviews gaben sie Auskunft über verschiedene Faktoren, unter anderem das Alter des Kindsvaters.

Tatsächlich lag das Alter der Väter zwischen 15 und 72 Jahren, im Durchschnitt bei 32,9 Jahren in der Fall- und 29,9 Jahren in der Kontrollgruppe.

Das Risiko eines Spontanaborts ist 42 Prozent geringer, wenn der Vater des Kindes unter 25 Jahre alt ist im Vergleich zu einem 25- bis 29-jährigen Vater (p kleiner 0.0001). Ist der Vater dagegen bereits über 40 Jahre alt zum Zeitpunkt der Zeugung, dann steigt das Risiko eines Spontanaborts um 60 Prozent im Vergleich zu 25- bis 29-jährigen Vätern (p gleich 0.0003). Dieses Ergebnis ist unabhängig von anderen, auch mütterlichen, Faktoren.

Außerdem wurde die Bedeutung des mütterlichen Alters noch einmal deutlich: Frauen unter 20 Jahren haben ein 59 Prozent geringeres Risiko als Frauen zwischen 25 und 30. Über 35 Jahre steigt das Risiko um 800 Prozent!

Dieses Ergebnis ist nicht uninteressant, hat man doch bisher vor allem den mütterlichen Faktoren bei der Schwangerschaft Beachtung geschenkt. In den westlichen Industrieländern, wo die Männer im Durchschnitt immer älter werden, bevor sie Väter werden möchten, dürfte diese Erkenntnis zudem Auswirkungen auf die demographische Debatte haben.

MEDICA.de; Quelle: Obstetrics & Gynecology 2006, Vol. 108, S. 369-377