Alzheimer Alarm bei der Anästhesie

Narkosen können älteren grauen
Zellen gefährlich werden
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In Tierversuchen und Reagenzglasexperimenten wird beobachtet, dass gewisse Anästhetika die Rate verringern, mit der Gehirnzellen entstehen und sich entwickeln. Dies ist ein Faktor, der für die normale Funktion des Gedächtnisses wichtig zu sein scheint. Diese Anästhetika könnten auch direkt für die Rate verantwortlich sein, mit der Beta-Amyloid-Proteine sich miteinander verbinden. Dies könnte Anlass zu Besorgnis geben, denn die Entstehung von Klumpen oder Plaques dieser Proteine ist charakteristisch für die Alzheimererkrankung und könnte zum Zelltod von Gehirnzellen beitragen.

Pravat Mandal von der Pittsburgh Universität Medical School in Pennsylvania zeigte, dass die Inhalationsanästhetika Halothan und Isofluran und das gebräuchliche Injektionsnarkotikum Propfol, zumindest in höheren Dosierungen, das Verklumpen von Beta-Amyloid-Proteinen begünstigen. Diese Erkenntnisse bestätigen eine vorherige Studie in der Mandal Kernspinresonanz-Spektroskopie einsetzte, um zu zeigen, dass Halothan direkt mit einer Einbuchtung im Beta-Amyloid-Protein interagiert. So verändert es die Form der Proteine und ermutigt benachbarte Proteine dazu sich anzudocken. Eine sechsstündige Einwirkung von Halothan reicht schon aus, um eine Proteinverklumpung auszulösen, die derjenigen ähnelt, die man bei Menschen mit Alzheimer beobachten kann, sagt er.

Halothan kommt in Nordamerika und Europa nur selten zum Einsatz. In Asien und Afrika ist es allerdings weit verbreitet, da es sehr kostengünstig ist. „Es ist eine wahrhaft tödliche Kombination, wenn eine ältere Person Halothan inhaliert“, sagt Mandal, denn mit zunehmendem Alter nimmt auch das Beta-Amyloid im Gehirn zu. Die anderen Anästhetika, die untersucht wurden, werden in den USA und in Europa häufiger benutzt, vor allem in Kombination mit anderen Narkotika. Doch diese scheinen länger zu brauchen, um ihre unter Umständen tödliche Wirkung zu entfalten. Die gute Nachricht lautet: Das Injektionsnarkotikum Thiopental scheint keine Auswirkungen auf die Proteine zu haben.

MEDICA.de; Source: New Scientist