Ambulante Versorgung mit Trinknahrung

Foto: Mangelernährung

Ein neuer Handlungsleitfaden soll zukünftig
dabei helfen, Mangelernährung rechtzeitig zu
erkennen und patientengerecht zu behandeln;
© panthermedia.net/Kheng Guan Toh

Dies verdeutlichte ein vom Diätverband in Kooperation mit dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) veranstaltetes Symposium anlässlich der Vorstellung der Vorschläge des Kompetenznetzwerks Enterale Ernährung. Dabei diskutierte eine interdisziplinäre Expertenrunde gemeinsam die Leitfragen „Wie kann das Risiko einer krankheitsbedingten Mangelernährung für den Patienten in der ambulanten Versorgung minimiert werden?“ und „Wie wird eine bedarfsgerechte Versorgung für Betroffene gesichert?“.

Für die Symposiumsteilnehmer stellt die Identifikation der betroffenen Patienten die zentrale Herausforderung in der ambulanten Versorgung dar. Nur, wenn frühzeitig ein kritischer Ernährungszustand identifiziert wird, können entsprechende ernährungstherapeutische Versorgungsmaßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden. „Selbstverständlich lautet die Prämisse stets „solange wie möglich sollen Patienten normal ernährt werden“, bestätigt Doktor Ute Gola vom Dr. Gola Institut für Ernährung und Prävention in Berlin. „Mithilfe der vom Kompetenznetzwerk Enterale Ernährung vorgeschlagenen Orientierung an der individuellen Ernährungssituation des Patienten kann das Risiko einer krankheitsbedingten Mangelernährung erkannt und entsprechend frühzeitig eine supportive Ernährungstherapie mit Trinknahrungen begonnen werden. Sobald diese das gewünschte ernährungstherapeutische Ziel erreicht, können Trinknahrungen auch wieder abgesetzt werden“, so die Expertin für Ernährungsmedizin.

Zur Identifikation von Betroffenen und der Umsetzung effektiver Maßnahmen der Ernährungstherapie bedarf es einer praxisgerechten Entscheidungsgrundlage für den verordnenden Arzt, insbesondere bei sensiblen Patientengruppen. Einen entsprechenden Handlungsleitfaden der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) stellte Professor Arved Weimann vor. „Dieser konsentierte Algorithmus ist ein wichtiger Schritt innerhalb der Ernährungsmedizin. Mit der Definition klarer Ein- und Ausstiegskriterien für den Einsatz von Trinknahrungen in der ambulanten Versorgung bietet sich eine praktische Orientierungshilfe für den verordnenden Arzt“, so Weimann, Geschäftsführender Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, Klinikum St. Georg in Leipzig.

In der Diskussion zeigte sich der Zuspruch der Teilnehmer zu einer primären Orientierung am individuellen Ernährungszustand als zentrale medizinische Verordnungsvoraussetzung für die Ernährungstherapie mit Trinknahrungen. Die vorgestellten Bewertungskriterien des Algorithmus eignen sich als praxisgerechte Orientierung, auf dessen Grundlage eine zukunftsfeste und patientengerechte ambulante Versorgung mangelernährter Patienten mit Trinknahrungen basieren kann. Eine positive Bilanz zieht Norbert Pahne, Geschäftsführer des Diätverbands und Initiator des Kompetenznetzwerks Enterale Ernährung: „Uns kommt es vor allem auf eine gute und fächerübergreifende Diskussion mit allen Beteiligten an. Daher ist uns auch der Austausch mit den Experten aus der direkten ambulanten Versorgung zu den erarbeiteten Vorschlägen ein wichtiges Anliegen. Nur so kann das in Fachkreisen bekannte Dilemma des „am Anfang zu wenig, am Ende zu viel“ in der Versorgung mit bilanzierten Diäten zur enteralen Ernährung unterbunden und eine adäquate patientengerechte Versorgung gewährleistet werden“.

MEDICA.de; Quelle: Bundesverband Medizintechnologie e.V.