Während sich die Therapie der HIV-Infektion durch Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) deutlich verbessert hat, bleiben die Fortschritte in der Diagnose einer HIV-Infektion nach Ansicht amerikanischer Infektiologen unbefriedigend.

Vor diesem Hintergrund haben "Centers for Disease Control and Prevention (CDC)"-Experten nun neue Empfehlungen herausgegeben. Deren Ziel ist vor allem, HIV-Infektionen künftig noch frühzeitiger zu erkennen und Personen, die nichts von ihrer Infektion wussten, noch früher beraten und behandeln zu können. Damit könnte man nämlich auch das Problem perinataler HIV-Infektionen besser angehen, meinen die Autoren der Leitlinie.

Im Vergleich zu vorherigen Empfehlungen zur HIV-Diagnose enthalten die überarbeiteten Empfehlungen einige neue Aspekte: Allen Patienten sollte bei allen denkbaren Arzt-Kontakten – also in der Praxis wie auch im Krankenhaus – ein „opt-out HIV screening“ angeboten werden. Das bedeutet: Alle Patienten werden auf HIV getestet, wenn sie nicht ausdrücklich widersprechen. Jene Personen, die ein hohes Risiko für eine HIV-Infektion haben, sollten ein mal pro Jahr getestet werden.

Zeigt der Patient sich mit einer medizinischen Behandlung einverstanden, dann sollte das auch als Einwilligung für einen HIV-Test gewertet werden. Schriftliche und mehrfach wiederholte Einwilligungserklärungen sind nach Ansicht der Experten unnötig.

Besonderes Augenmerk legt der Text der CDC auf die Fürsorge bei Schwangeren. Vor allem sie sollten gemäß eines opt-out auf HIV getestet werden. In Gebieten mit besonders vielen HIV-positiven Schwangeren sollten die Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel mehrfach getestet werden.

Auch wenn man diese Empfehlungen nicht unbedingt auf Deutschland übertragen kann, so ist doch bemerkenswert, dass der HIV-Test offenbar immer mehr zu einem Routinetest wird.

MEDICA.de; Quelle: Morbidity and Mortality Weekly Report 2006, Vol. 55(RR-14), S. 1-17