An der Schwelle vom Labor zum klinischen Alltag

Foto: Humanes Papillomvirus (HPV)

Humane Papillomviren können
Gebärmutterhalskrebs auslösen;
© NCI Visuals Online

Trotz des Fortschritts in der Medizin gibt es immer noch Krankheiten, die unheilbar sind. AIDS oder Demenz sind nur zwei Beispiele unter vielen. Und selbst dann, wenn Wissenschaftler erfolgreiche Therapien entwickelt haben, wird weiter geforscht, um die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Genau darum geht es auch bei den Vorträgen der Helmholtz-Gesundheitsforschung. „Wir stellen Ergebnisse unserer Forschung vor, die an der Schwelle vom Labor zum klinischen Alltag stehen“, erklärt Thomas Gazlig, leitender Pressesprecher der Helmholtz-Gemeinschaft.

Ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs hat diese Schwelle bereits überschritten. Allein in Deutschland wurden bisher 700.000 Mädchen geimpft. Entwickelt wurde die Vakzine am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ), das mit 14 weiteren Einrichtungen die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren bildet. Doch zum Impfstoff gibt es noch viele offene Fragen. „Es ist der erste Impfschutz gegen eine Tumorerkrankung, aber über die Langzeitwirkung wissen wir noch nichts“, erklärt Professor Stefan Joos, Leiter vom Forschungsbereich Gesundheit der Helmholtz-Gemeinschaft.

Außerdem beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Weiterentwicklung des Impfstoffes, denn bisher ist er nur wirksam, wenn noch keine Infektion mit dem Virus vorliegt. „Vielleicht können wir den Impfstoff in Zukunft auch therapeutisch einsetzen“, so Joos weiter. Das würde bedeuten, dass man ihn nicht nur präventiv, sondern auch zur Behandlung einer HPV-Infektion nutzen könnte. Darüber hinaus sei es denkbar, Impfstoffe gegen andere HPV-Typen zu entwickeln, erläutert Joos. Beim MEDICA-Kongress 2008 werden die Besucher in einem Vortrag mehr über die Chancen, aber auch die Risiken des Impfstoffs erfahren.

Den Tumor gezielt angreifen

Eine andere Methode, Krebs zu bekämpfen, ist die Bestrahlungstherapie. Auf dem Kongress werden Forscher insbesondere über die Bestrahlung mit Schwerionen berichten. Das sind Ionen mit besonders großer Masse. Durch diese physikalische Eigenschaft lassen sich Schwerionen besser beschleunigen. Das hat zur Folge, dass sie das Gewebe als Strahlenbündel durchqueren. Die Belastung des Nachbargewebes durch seitliche Streuung, wie beispielsweise bei Gammastrahlen, ist nur gering. Darüber hinaus haben Schwerionen eine definierte Reichweite im Gewebe und entfalten erst am Ende dieser Reichweite ihre ganze Wirkung. Das Ergebnis: Der Tumor kann gezielter zerstört werden.

Eine Beschleunigungsanlage für Schwerionen steht im GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt, das ebenfalls Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft ist. „Das Verfahren ist völlig neu und wurde von den Darmstädter Forschern mit entwickelt“, erläutert der Pressesprecher Gazlig. Zurzeit wird die Therapie aber nur bei seltenen Krankheiten eingesetzt. „Vor allem Chordome, also bösartige Tumoren an der Schädelbasis, können wir damit behandeln“, erklärt Joos. Ebenso treffe das auf Weichteiltumoren des Knorpelgewebes zu, zum Beispiel an Händen und Füßen. Ob die Schwerionenbestrahlung zukünftig auch bei anderen Krebsarten angewendet werden könnte, wird derzeit erforscht.

Demenz frühzeitig erkennen

Über neue Erkenntnisse zur Diagnose von neurodegenerativen Erkrankungen, wie zum Beispiel Alzheimer, berichten auf dem MEDICA-Kongress Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich. „In einem frühen Stadium, wenn erst wenige Gehirnzellen geschädigt sind, ist die Chance groß, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen“, sagt Gazlig. Dabei spielt die Bildgebung eine große Rolle. Zurzeit ist Alzheimer nur schwer zu diagnostizieren. Neuartige Geräte, die auch dreidimensionale Aufnahmen des Gehirns liefern können, sind daher in Zukunft von besonderer Bedeutung an der Schnittstelle zwischen Hirnforschung und klinischem Alltag.

Die Veranstaltung „Aktuelles aus der Helmholtz-Gesundheitsforschung“ findet am Freitag, 21. November 2008 zwischen 10 und 13 Uhr sowie zwischen 14:30 und 17:30 Uhr im CCD.Süd, 1. Obergeschoss, statt.

Einen Überblick aller Veranstaltungen vom MEDICA-Kongress 2008 gibt es hier

Simone Heimann
MEDICA.de