Vor zehn Jahren, unmittelbar nach der Tat, standen Staatsanwaltschaft, Polizei und das Institut für Rechtsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bei ihren Untersuchungen vor dem Problem, dass es anhand der äußerst geringen DNA-Menge, die zur Verfügung stand, nicht möglich war, ein verlässliches Kern-DNA-Muster zu erstellen.

Den beiden Wissenschaftlern Professor Reinhard Szibor und Professor Dieter Krause von der Universität Magdeburg gelang es zwar, eine komplette Sequenz der aussagekräftigsten Abschnitte der Mitochondrien-DNA aufzuzeichnen, allerdings wäre ein Kern-DNA-Identifizierungs-Muster notwendig gewesen, um einen ausgedehnten Suchtest in der Bevölkerung zu begründen. Ein Siebtest auf Mitochondrien-DNA-Muster galt damals als wenig erfolgversprechend, zu aufwändig und somit als nicht empfehlenswert.

Eine neue Bewertung des Sexualverbrechens wurde möglich, als das Bundeskriminalamt von einem tatrelevanten Haar mittels einer neuen Technik ein Kern-DNA-Identifizierungsmuster erstellen konnte. Zunächst wurde ein Vortest entwickelt: Der Einsatz von DNA-Schnittenzymen ermöglichte es, in einem mehrstufigen Auswahlverfahren eine große Anzahl von Speichelproben auszuschließen, weil sie markante Merkmale der Spuren-Mitochondrien-DNA nicht aufwiesen.

Letztendlich war eine volle Mitochondrien-DNA-Sequenzierung nur noch für wenige Speichelproben erforderlich. Die Doppelstrategie, sowohl Kern-DNA als auch Mitochondrien-DNA zu analysieren, war erfolgreich. Von den im vergangenen Jahr beim DNA-Massentest 2.351 untersuchten Männern erfüllte nur eine Person alle Suchkriterien und wurde somit als dringend tatverdächtig erkannt. Ein Geständnis erfolgte unmittelbar nach der Festnahme.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg