Androgene wirken proliferativ auf Osteoblasten und beschleunigen die Frakturheilung durch systemische und lokale Stimulation des Knochenwachstums. In einer Studie von Wissenschaftlern aus dem Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie wurde nun untersucht, ob die systemische Stimulation der Knochendefektheilung durch Androgene zu einer beschleunigten Defektheilung führen kann.

Dazu setzten die Wissenschaftler 30 Sprague-Dawley-Ratten Trepanationsdefekte mit einem Durchmesser von 1,5 mm in die Femurdiaphyse. Zehn Tiere wurden als Kontrollgruppe nicht behandelt und je zehn Tiere erhielten zwei Tage vor der Operation entweder ein oder zehn mg Dihydrotestosteron intramuskulär injiziert. Nach 14 Tagen wurden die Präparate entnommen und makroskopisch, histologisch und histomorphometrisch untersucht.

Alle Tiere wurden in die Untersuchung aufgenommen und konnten ausgewertet werden. Klinisch zeigten sich keine Komplikationen. Die makroskopische und histologische Untersuchung erbrachte keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Alle Defekte waren mit trabekulärem Knochen in direktem Kontakt zum umgebenden Knochen gefüllt. Histomorphometrisch ergab sich ein signifikant geringerer Knochenanteil an der Defektfläche in der Kontrollgruppe als in den beiden Therapiegruppen. Die Therapiegruppen unterschieden sich nicht signifikant voneinander.

Die Stimulation der Knochendefektheilung mit Dihydrotestosteron führt also offensichtlich zu einem signifikant höheren Knochenanteil im Knochendefekt. In der klinischen Anwendung können Androgene eine Möglichkeit darstellen, gerade bei älteren Patienten die Knochenheilung zu verbessern. Außerdem beschleunigen sie offenbar die Rehabilitation der Patienten durch die Effekte von DHT auf die Muskulatur.

MEDICA.de; Quelle: Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie 2008, Vol. 146, S. 59-63