Angebote richten sich oft an Besserverdiener

Nach einer aktuellen Umfrage unter gesetzlich Krankenversicherten hat ein Viertel (das heißt mehr als 18 Mio. Versicherte) innerhalb eines Jahres beim Arzt eine solche Erfahrung gemacht. Dabei werden Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gezielt einkommensstarken Patienten angeboten. Die Betroffenen zeigen sich angesichts der Vermarktung privater Zusatzleistungen in der Arztpraxis häufig verunsichert.

Bei der Mehrheit der privaten Zusatzleistungen (63,6 Prozent) unterblieb die erforderliche schriftliche Vereinbarung zwischen Arzt und Patient vor der Behandlung. Ein Fünftel (21,1 Prozent) der erbrachten Leistungen erfolgte ohne Rechnung. Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse zur Entwicklung im IGeL-Markt des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Sie basieren auf einer bundesweiten telefonischen Befragung von 3.000 gesetzlich Krankenversicherten. Insgesamt werde, laut WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber, mit IGeL - hochgerechnet - ein Umsatz von rund einer Milliarde Euro erzielt.

Patienten mit überdurchschnittlicher Bildung und höherem Einkommen bekommen IGeL deutlich häufiger angeboten. So bekam in den unteren Einkommensgruppen (bis 1.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) nur etwa jeder Sechste Privatleistungen vorgeschlagen, während in den höheren Einkommensgruppen (über 4.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) mehr als ein Drittel der Befragten über ein individuelles Angebot ihres behandelnden Arztes berichtet.

Die häufigsten IGeL-Angebote sind Ultraschalluntersuchungen(19,7 Prozent), gefolgt von Augeninnendruckmessungen (14,6 Prozent) und ergänzenden Krebsfrüherkennungsuntersuchungen bei Frauen (13,8 Prozent). Auf diese drei Leistungsgruppen entfällt nahezu die Hälfte der angebotenen Leistungen.

Fachärzte machen im Vergleich zu Allgemeinmedizinern deutlich mehr private Leistungsangebote. Am häufigsten bieten Gynäkologen und Augenärzte IGeL an. An dritter Stelle werden die Urologen genannt, gefolgt von Hautärzten und Orthopäden.

MEDICA.de; Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)