Wie in den meisten Ländern so gibt es auch in Großbritannien zu wenig Spenderorgane für Transplantationen. Im Jahre 1994 warteten in Großbritannien 3.954 Personen auf eine Spenderniere, 2005 schon 5.736. Sechs bis elf Prozent der Patienten, die auf einer Liste für Transplantationen eingetragen sind, sterben vor der Operation. In Großbritannien stehen pro Jahr etwa 12,3 hirntote Organspender pro einer Million Menschen zur Verfügung. Das liegt im Vergleich zu anderen Ländern im unteren Bereich. In Spanien stehen 33,0 Spender pro einer Million Einwohner zur Verfügung.

Eine Studie wollte nun analysieren, wie hoch das tatsächliche Potential für Spenderorgane in Großbritannien ist beziehungsweise aus welchen Gründen die Organspende verweigert wird.

Zwischen April 2003 und März 2005 wurden alle Todesfälle auf 341 Intensivstation von 284 Krankenhäusern Großbritanniens in dieser Beziehung untersucht. 46.801 Todesfälle wurden in diesem Zeitraum registriert. In 2.740 Fällen hätten von den hirntoten Patienten Organe entnommen werden können, bei 1.244 Hirntoten geschah dies auch.

Während des Untersuchungszeitraums verweigerten 41 Prozent der Angehörigen eines Toten die Organentnahme. Bei ethnischen Minderheiten war die Verweigerungsrate zwei Mal so hoch wie bei weißen Briten. Das Alter und das Geschlecht des Hirntoten hatte keinen Einfluss auf die Verweigerung der Organentnahme. Bei 15 Prozent der potentiellen Organspender hatte man die Angehörigen nicht um Erlaubnis einer Organentnahme gebeten, weshalb diese Entnahme auch unterblieb.

Intensivstationen in Großbritannien haben im Vergleich zu anderen Stationen recht gute Werte in Bezug auf Organentnahmen. Doch auch hier sind die Angehörigen von Verstorbenen das größte Hindernis für eine Organentnahme.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 1124-1127